Kleine Entdeckungen

Die Sphinx vom Künstlerhaus

Die Sphinx muss sich vorkommen, als schaue sie seit mehr als einem Jahrhundert in den Spiegel. Den Blick starr gerade aus gewandt, sieht sie ihr Abbild, steinern, klein und verwittert. Auch den Bären auf dem Balkon gibt es doppelt.

Architekt Bernhard Sehring hat beim Bau des Künstlerhauses Lukas in Charlottenburg nicht mit dekorativen Elementen gegeizt. Während Flaneure heute den imposanten Backsteinbau in der Fasanenstraße 13 kaum wahrnehmen - wie eingequetscht steht er an der Bahntrasse - kennen sie einen anderen Sehring-Bau bestens: das Theater des Westens, 1895-1897 errichtet, also fünf Jahre nach dem Künstlerhaus. Es trägt den Namen des Heiligen Lukas, Schutzpatron der Maler und Ärzte. Berühmte Menschen gehörten zu den Bewohnern: Puppenmacherin Käthe Kruse, Bildhauer Ernst Barlach sowie Sehring selbst. Noch heute gibt es ein paar Ateliers und die Galerie Springer & Winckler. Architekten und ein Denkmalpfleger arbeiten in dem Bau, der mit Türmchen, Erkern und Reliefs an ein Märchenschloss erinnert. Durch das Eingangstor kann man einen Blick auf den Innenhof erhaschen: viel Efeu, ein weiblicher Nackedei, noch ein Löwenkopf und weitere Sphinxe. Mittendrin, ein Brunnen. Sphinx & Co. können sich im Wasser spiegeln.