Berliner Perlen

Schick wie die Royals

Am Freitag steigt die Hochzeit des Jahres. Großbritanniens Prinz William führt Kate Middleton vor den Altar. Weltweit werden Millionen Menschen zuschauen. Das richtige Outfit und die passende innere Haltung zum "Ja" liefert der Chelsea Farmer's Club (CFC), eine Berliner Oase für britisches Lebensgefühl.

Der Laden in der Schlüterstraße ist kleiner als ein Cricket-Feld, aber geräumiger als ein Parkplatz in der City of London. Der CFC ist wunderbar verspielt, eine hochwertige Fundgrube für britische Gesellschaftskleidung, ein Brit-Style Shop, der ohne den üblichen royalen Nippes und modischen Schnickschnack auskommt. Schlechte Teesorten in bunten Doppeldecker-Bus-Dosen oder Motivkrawatten mit Big Ben bleiben dem Kunden erspart. Gewehrfutterale, Zylinder, Cuts und britische Toilettenartikel dagegen sind stets vorrätig.

Verantwortlich für Stil, Haltung und das Ambiente des englischen Landlebens ist Christoph Tophinke (42). Als der Hamburger vor einigen Jahren in Berlin mit Tankstellenpartys begann, stellte er zweierlei fest. Berliner sind fürchterlich schlecht angezogen. Und: Es mangelt an partyfesten Smokings, in denen man auch noch morgens um sechs gepflegt unter dem Biertisch umherkrauchen kann. Inspiriert vom "Chelsea Farmers Market", einem Wochenmarkt im noblen Stadtteil Chelsea, auf dem sich alle sozialen Schichten einträchtig mischen, gestaltete Tophinke seinen Laden, um die Berliner standesgemäß britisch anzuziehen.

Ein Tweed-Jackett fürs Leben

Gefragt, was man zur Hochzeit des Jahres tragen müsse, wehrt der Mann im buntkarierten Jackett allerdings ab: "Ich interessiere mich nicht für modische Trends. Wir bieten Kleidung für Menschen, die keine Lust auf Mode haben, aber Wert auf Qualität legen. Unsere Stücke halten 30 Jahre."

Wer das klassische Shooting Jackett vom hauseigenen CFC-Label anprobiert, weiß sofort, was gemeint ist. Der Tweed bringt knapp 600 Gramm pro Meter auf die Waage und ist damit dichter als ein Wintermantel von der Stange. Die leicht brettige Jacke trägt man nicht, man wohnt in ihr. Jahrzehnte. Die aufgesetzten Taschen bieten Raum für Schrot und Beute.

Der Farmer's Club bietet eine Fülle von Stücken, die es eigentlich gar nicht mehr gibt und die Tophinke daher selbst in England und Deutschland als Hausmarke produzieren lässt. Die Herrenschnitte sind dem britischen Uniformschnitt entlehnt. Hochgeschlossene Dreiknopf-Sakkos mit deutlicher Taille und knappen Armlöchern garantieren Wetterschutz, Beweglichkeit und guten Sitz. "Wir arbeiten mit vergessenen Stoffen wie Tweed oder Moleskin, aus dem die Briten heute noch Uniformen herstellen", sagt Tophinke.

Den Kontrapunkt zu Schnitt und Material setzt die Farbe. "50 Prozent unserer Ware ist eher laut", sagt der Herrenausstatter. Zum Teflonsmoking etwa darf die Strumpffarbe ins Schrille gehen. Oder das gute Stück wird mit Gummistiefeln kombiniert, wenn die Fan-Gemeinde sich über die Facebook-Seite des CFC zur halböffentlichen Party verabredet. Wie gut Tophinke es versteht, das britische Verständnis von Tradition und Querdenkertum in Kleidung zu fassen, zeigt sich daran, dass er Kleiderrequisiten für die Rosamunde-Pilcher-Filme des ZDF stellt.

Man muss nicht übertrieben gut betucht sein, wenn man im CFC nach gutem Tuch sucht. Wer sich standesgemäß für die Hochzeit des Jahres einkleiden will, bekommt ein Smoking-Outfit mit Hemd, Schleife und Kummerbund für gut 900 Euro. Tophinke selbst rät eher zur Alleskönner-Kleidung. Sein Idealjackett reicht für einen Ritt auf einem Trecker genauso wie für eine Grillparty oder ein Geschäftsessen. Das riecht nach dem Lebensgefühl Chelseas aus den Achtzigern und nach britischem Landadel. Zu haben ist das Ganze als Tweedjoppe für 359 Euro. Der Farmers Club begreift sich nach Tophinkes Worten nicht einfach als Klamottenladen, sondern als "Essenz aus Mode, Ethnologie, Psychoanalyse, Sexologie, Mechanik und Küche." Dazu gehört die Mitgliedschaft im Farmer's Club. Die erlangt auf Wunsch jeder, der den Laden betritt. Und während man rote Gummistiefel anprobiert oder den Bowler aufstülpt, nippt die bessere Hälfte im Sofa am Gin aus der Bar und liest im Hausjournal, das Freunde des CFC wie die Schriftsteller Joseph von Westphalen oder Philipp Tingler gestalten, wie genau man trägt, was man trägt.

Britischer Humor auf Deutsch

Da steht dann etwa, dass es verpönt ist kurzärmelige Hemden zu tragen, Elektrogrills zu benutzen oder Hallenbäder zu besuchen. "Soso", denkt der Betrachter da und versucht es, als eingedeutschte Form britischen Humors zu begreifen.

Erwartet Tophinke ein erhöhtes Interesse an gepflegter Kleidung als Folge der königlichen Hochzeit in Großbritannien? "Nein, die meisten Zuschauer werden wohl eher leger gekleidet und in Badelatschen vor dem Fernseher sitzen", spekuliert Tophinke. William und Kate indes hält er für eine gelungene, adlig-bürgerliche Kombination. Das entspräche seinem Ideal von Chelsea-Sozialismus, bei dem, wie auf dem Wochenmarkt, alle Klassen zusammenkommen. Tophinke will nicht nur Anwälte, Selbstständige oder brandenburgische Nachwuchsjunker einkleiden, sondern alle, die dem Fluch flüchtiger Trends entkommen wollen.

Chelsea Farmer's Club Schlüterstraße 50, Charlottenburg, Tel.88 72 74 74, Mo.-Fr. 11-19 Uhr, Sbd. 11-18 Uhr.