Osterausflüge

Das Paradies vor der Haustür

Es ist Frühling. Es ist Ostern. Und das Paradies liegt direkt vor der Haustür. In kaum einer anderen Großstadt liegt das Grüne so nahe wie in Berlin. Da bietet sich ein Ausflug an den Festtagen geradezu an. Sei es nach Potsdam oder Bad Saarow, nach Buckow oder Rheinsberg.

In die Wälder oder an die Seen Brandenburgs, die Schlösser nicht zu vergessen. Wir empfehlen ausgewählte Gegenden zum Spazieren, Innehalten und zum Betrachten.

Rheinsberg: Zwischen Schloss und der kleinsten Eisfabrik der Welt

Die Einen sagen, der junge Friedrich - als er noch nicht der Große König, sondern "nur" Kronprinz war -, habe hier von 1736 bis 1740 seine glücklichsten Jahre erlebt. Die Anderen erkennen den Übergang vom Rokoko zum frühen Klassizismus. Die Rede ist vom Schloss Rheinsberg in Ostprignitz-Ruppin. Es soll zudem Menschen geben, die das 8700 Einwohner umfassende Kleinstädtchen nur aus der Literatur kennen: sei es aus Kurt Tucholskys Klassiker "Rheinsberg. Ein Bilderbuch für Verliebte" oder aus Tom Wolfs Preußenkrimi "Muskatbraun". Das sollte man ändern. Rheinsberg ist eine Reise wert, siehe nur das Schloss, in dem Kunstwerke das Lebensgefühl der einstigen königlichen Besitzer vermitteln. Im Kavalierhaus hat die Musikakademie Rheinsberg ihren Sitz. Am Ostersonntag spielt die Rheinsberger Hofkapelle (19.30 Uhr) im Foyer des Schlosstheaters, wo tags darauf ein "Musikalischer Osterspaziergang" (11 Uhr) erklingt. Außerdem lohnen Besuche der Keramikmanufakturen und in der vielleicht kleinsten Eisfabrik der Welt.

Anreise mit dem Auto: Rheinsberg liegt rund 90 Kilometer nördlich von Berlin. Erreichbar über die B96 (Oranienburg/ Gransee) oder über die A24 (Neuruppin)

Schorfheide: Vom Ökodorf Brodowin zum Biorama-Wasserturm

Es gibt viel Wald in der Schorfheide - 65 000 Hektar -, so viel, dass man ihn vor lauter Bäumen kaum sieht. Was auffällt, sind die Alpakas. Sie sind eine Attraktion - Besucher dürfen die Neue-Welt-Kamele eigenhändig im Dörfchen Serwest spazieren führen. Überhaupt hat der Barnim ein Herz für Tiere, wenn man das derart kitschig formulieren darf: Außer dem Alpaka-Hof gibt es einen Wildpark mit Wolfsnächten und den Zoo in Eberswalde. Die Einrichtung ist Pflicht für all jene, denen Berliner Zoo und Tierpark zu voll oder zu groß sind. In Eberswalde schwingen sich Affen frei übers Areal. Doch das Zusammenleben von Mensch und Tier ist nicht nur friedlich. Die Schorfheide hat eine lange Jagdtradition und entsprechend viele Denkmäler sowie das Jagdschloss Groß Schönebeck von 1680. Außerdem kann man ab 11 Uhr in Joachimsthal vom 24 Meter hohen Biorama-Wasserturm in die Weite blicken, bodennah nach Pilzen suchen oder in Brodowin das Ökodorf mit Hofladen (ab 10 Uhr) besuchen.

Anreise Die Schorfheide liegt 65 Kilometer nordöstlich von Berlin. Erreichbar über die A11 (Prenzlau/Stettin, Joachimsthal), B198 und B2 Richtung Eberswalde.

Buckow: Ein königlicher Ort, in dem die Lunge auf Samt geht

Monika Katerbau ist der zweite Mann auf der Scherri. Die Scherri ist eines der wenigen Motorboote, die auf dem Schermützelsee fahren dürfen. Ihr Kapitän heißt Wolfgang Katerbau. Die Katerbaus stammen aus der Märkischen Schweiz, die Scherri aus der Reiherstiegwerft Hamburg. 1879 lief sie vom Stapel, auf dem Schermützelsee ist sie seit 1992 eine Institution. Sie schippert vorbei an Buchen, Buchen und Buchen - die Bäume gaben dem anliegenden Dorf Buckow den Namen. Ein Ort, in dem die Lunge auf Samt geht, wie der Leibarzt von Friedrich Wilhelm IV. 1854 zu Ihrer Majestät gesagt haben soll. Ein Ort, an dem Fledermäusen ein Museum gewidmet ist und wo es in der Bergschäferei keine Schafe, sondern Obst und Saft zu kaufen gibt. Darüber hinaus ein Kneipp-Kurort mit Kultur. Es gibt Galerien, das "Theater untendrunter" mit Seebühne und das Brecht-Weigel-Haus. Das nahegelegene Schloss Neuhardenberg ist berühmt wegen des von Peter Joseph Lenné und Fürst Pückler-Muskau gestalteten Landschaftparks.

Anreise Buckow liegt 55 Kilometer östlich von Berlin. Erreichbar über die B1 (Frankfurt a.d.Oder/Strausberg).

Bad Saarow: Zwischen Wald und See lässt sich prima Ruhe finden

Im Luftkurort Rauen gilt: tief durchatmen. Langsam atmen. Und noch mal von vorne. Wer hustet, sollte länger bleiben. Es lohnt sich. Das Angerdorf wartet bei 100 Metern Höhenunterschieden mit für Brandenburg alpinen Verhältnissen auf. Und mit einem Rekord: Die beiden Markgrafensteine in den Rauener Bergen sind die größten Findlinge Brandenburgs. Man kann sie nicht verfehlen. Der Größere von beiden musste schon Stein lassen - die Abspaltung wurde 1827 nach Berlin geschafft und zur Granitschale modelliert, die heute noch vor dem Alten Museum in Mitte steht. Diebstahl ausgeschlossen: Sie hat einen Radius von sieben Metern. Kleiner und feiner geht es in Bad Saarow am Scharmützelsee zu. 1906 als Landhauskolonie in Auftrag gegeben, tummelte sich hier in den Zwanziger Jahren die Prominenz: Boxerlegende Max Schmeling besaß ein Wochenendhaus, Maxim Gorki kam zur Kur, Egon Erwin Kisch besuchte Gorki und Winston Churchill spielte Golf. Zu DDR-Zeiten erholten sich die Werktätigen - und auch heute noch lässt sich in Bad Saarow prima Ruhe finden.

Anreise Bad Saarow liegt 70 Kilometer südöstlich von Berlin. Erreichbar über die A112 (Richtung Frankfurt) und L35.

Spreewald: Mit dem Kahn ins idyllische Museumsdorf Lehde

Das Museumsdorf Lehde ist ein Ziel für all jene, die den Spreewald verstehen wollen. Es ist das ursprünglichste Dorf, Teile sind bis heute nur übers Wasser zu erreichen. Gemeinhin geht der Spreewald dem Berliner durch den Magen - was nicht an den Kahnfahrten liegt. Denn er ist Großexporteur für Gurken. Die jährliche Ernte beträgt geschätzt 40 000 Tonnen. Außerdem wird seit 2004 in Schlepzig der Sloupisti gebrannt, Ostdeutschlands erster Whisky. Auch ohne Alkohol, dafür vom Rücken eines Pferdes, sieht die Welt schon anders aus. In Zerkwitz beginnt um 9 Uhr das Osterreiten, das dort gegen 14 Uhr mit Glockengeläut wieder endet. In Burg wird ab 9.30 Uhr ein Familiengottesdienst gefeiert, die Chorgemeinschaft Concordia tritt in traditionell schwarzen Kirchgangstrachten auf.

Anreise Lübbenau liegt 100 Kilometer südlich von Berlin. Erreichbar über die A100, A113 und A13 (Richtung Dresden).

Potsdam: Die schöne, kleine Schwester Berlins ist Weltkulturerbe

Kurfürst Friedrich Wilhelm sagte 1660 über Potsdam, es solle ein Paradies werden. Der Wunsch ging in Erfüllung: Die Stadt gilt als schöne, kleine Schwester Berlins, nachdem sie samt Umgebung 1990 von der Unesco als größtes Ensemble in Deutschland zum Welt- und Kulturerbe ernannt worden war. Zu nennen sind Klassiker wie Schloss Sanssouci und der Neue Garten, aber auch die Villa Schöningen an der Glienicker Brücke, in deren Museum deutsch-deutsche Geschichte dokumentiert ist.

Anreise Potsdam liegt 36 Kilometer südwestlich von Berlin. Erreichbar über die A115.