Meret Becker

Fee und Zirkuskind

Das Schöne an ihrem neuen Programm "BerliNoise" ist wohl, dass man es eigentlich kaum beschreiben kann. Dass es in tausend Einzelteile zerfällt, in rasselnde Töne eines Jahrmarkt-Orchestrions und Klänge von singenden Sägen, in Drehorgel-Gedudel und Hupengetöse, in Spieluhr-Geklimper und Glasharfen-Gejaule.

Die Sängerin und Schauspielerin Meret Becker hat tief im Fundus des Vaudeville und klassischen Varietés gegraben, herausgekommen ist eine Hommage an eine versunkene Unterhaltungsmagie, die eher auf das Unfertige, Handgemachte setzt als etwa auf eine durchperfektionierte Musical-Kultur.

Dabei ist die Schau freilich penibel konzipiert, gerade das Leichte, Versponnene will fein gewebt und klug geplant sein.

Mit ihrer Band "The Tiny Teeth" kurvt Meret Becker durch Eigenkompositionen und Coversongs, die sie Kurt Weill, den Beatles oder Tom Waits entlehnt hat, durch Volksmusik und Evergreens. Mal ist sie Fee, mal Zirkuskind, mal ist sie nüchtern, mal trunken vom Bühnenzauber. Sie irrlichtert von einer musikalischen Taschenspielerei zur nächsten, vom Cabaret zum kleinen Gimmick, vom Schattenspiel zum Zaubertrick.

Und zwischendrin soll noch ein Hase die Vorstellung durch seine launige Präsenz bereichern. Und vielleicht das Allerschönste ist der Becker'sche Sinn für Stille.

Für den Moment , an dem das ganze Tschingederassa auch mal abbricht. "Ohne Ruhe gibt es kein Geräusch", spricht sie eine große Wahrheit gelassen aus. Aber keine Angst: Ihr Abend im Tipi "atme, nein stinke nach Berlin". Und was immer auch passiere, sei "immer ein Konzert".

Musik: Tipi am Kanzleramt, Große Querallee, Premiere 26. April, 20 Uhr, Tel. 39 06 65 50. Bis 1. Mai., Di-Sa 20 Uhr, So 19 Uhr