Kulinarische Landpartie, Teil 5: Die Gast- und Raststätten der Spreewald

Mit dem Kiefernholzkahn ins Gourmet-Restaurant

Dass ein Trip in den Spreewald sowohl für Körper und Seele als auch für den Magen vollendete Genüsse bietet, wusste nicht nur der Schriftsteller Theodor Fontane, das beweist auch der Selbstversuch. Auf der A13 geht es in einer guten Stunde aus Berlin Richtung Burg ins Herz des Biosphärenreservats.

Wer auf den längst von Touristen erschlossenen über 1000 Flusskilometern und seinen 300 Nebenarmen etwas Besonderes garniert mit Snacks für den ersten Hunger erleben will, sollte bei Hagens Insel zu einer Kahnfahrt starten. Der Hafen von Fährmann Hagen Conrad in Burg ist so klein, dass dort nur zwei seiner zehn Kähne Platz finden. Und er liegt so versteckt, dass Laufkundschaft ausgeschlossen ist.

Wer mit Conrad auf seinen traditionellen Kiefernholzkähnen auf individuell geplante Routen gehen will, sollte besser vorab buchen. Dafür bekommt er Fahrten in den Sonnenauf- oder -untergang mit Wärmflaschen auf den Holzbänken und Lichtachsen wie im Pückler-Park auf dem Wasser, Grillkahnfahrten oder sogar poetisch angehauchte Touren mit Beschreibungen zur Flora und Fauna geboten - inklusive Spreewaldbrot mit hausgemachter Leberwurst und Gurkenspezialitäten oder Kaffee und Kuchen. Die kürzeste Tour durch die Streusiedlung dauert eine Stunde, die durch den Hochwald den ganzen Tag. Die Stunde kostet 40 Euro pro Kahn.

Zu Gast beim Sternekoch

Für den absoluten Entspannungs- und Gaumen-Höhepunkt kann nach den Tagesaktivitäten der Besuch im Hotel zur Bleiche empfohlen werden. Ebenfalls in Burg gelegen und jüngst zu Europas führendem Wellness-Hotel gekürt, sorgt das Haus für das Gefühl, nie wieder weg zu wollen. Der Wellness-Bereich mutet derart verspielt und vielfältig an, dass man sich erst einmal verläuft vor lauter Freude. Es duftet nach Holz und Lehm, Leinen ummantelt Liegen und Sessel und Blüten und Kräuter schmücken die Räume im Landhaus-Stil. Sollte man seinen Platz gefunden haben, ob am Innenpool mit offenem Kamin, im Meditationsraum, in der Bibliothek oder als Frau in einem Traum von weiß, dem Damen-Spa "Kleiner Himmel" im ersten Stock - sofort sind Stress und Sorgen vergessen.

Oliver Heilmeyer, Küchenchef der zwei à la carte-, acht Hotel- und des Gourmetrestaurants "17fuffzig" schafft es, noch eins oben drauf zu setzen. Von wegen kulinarische Diaspora in Brandenburg! Der Sternekoch versteht es, aus regionalen Spreewald-Spezialitäten kombiniert mit moderner Vital-Küche Geschmacksexplosionen zu zaubern, die ihresgleichen suchen. Begleitet von Weinen des kundigen Sommeliers Oliver Westphal und dem herzlich-kompetenten Service von Oberkellnerin Ute Lasch lohnt es sich trotz des Preises (vier Gänge um 75 Euro, neun Gänge um 150 Euro), die ungekünstelte Sterneküche Heilmeyers zu probieren.

Als Vorspeise verbindet die französische Belon-Auster den Geschmack des Meeres mit dem ländlichen des Lardo vom Wollschwein, die Kraftbrühe vom Perlhuhn mit Schwarzwurzelravioli und Rehschinken geraten intensiv ohne die Sinne zu überfordern und das zuvor in Milchkräutercreme eingelegte Wolfsbarschfilet umhüllt sanft aber mit Nachdruck den Gaumen. Der anschließende Schlaf im geräumigen Doppelzimmer mit Sauna (250 Euro pro Person) könnte wohliger wohl kaum geraten, und das Frühstück mit Blick auf den hoteleigenen Kahnhafen und Produkten aus der hoteleigenen Landwirtschaft runden den Besuch in der Bleiche ab.

Wer den Südosten Brandenburgs weiter kulinarisch erkunden möchte, der dürfte auch im "Goldenen Hahn" von Frank Schreiber in Finsterwalde fündig werden. Im Gourmetrestaurant mit 50 Plätzen bereitet der Inhaber und Küchenchef in mittlerweile dritter Generation regionale Spezialitäten wie das Niederlausitzer Heidelamm und Fisch aus der Müritz zu. Höchst kunstvoll arrangiert er Kräuterquarkschnitte an Gurken-Chutney, Leinöl-Kieselsteinen und Salatspitzen (8 Euro) oder Dreierlei vom Lausitzer Apfel (10 Euro). Gern schaut Frank Schreiber danach bei seinen Gästen vorbei - und spricht erfrischend herzlich über Zutaten und die Besonderheiten der Region, über die Theodor Fontane einst für den "gern in die Ferne schweifenden Märker" schrieb: "Sieh, das Gute liegt so nah." Recht hat er. Warum gen Venedig ziehen, wenn dessen Zauber auch vor den Toren Berlins zu finden ist.

Hagens Insel Weidenweg 4, 03096 Burg/ Spreewald, Tel. 035603-618 39, www.hagens-insel.de

17fuffzig im Hotel zur Bleiche, Bleichestraße 16, 03096 Burg/Spreewald, Tel. 035603-620, Di.-Sbd., ab 18 Uhr, www.hotel-zur-bleiche.de

Goldener Hahn Bahnhofstraße 3, 03238 Finsterwalde, Tel. 03531-22 14, Mo. ab 17 Uhr, Di.-Sbd. mittags ab 12 Uhr, abends ab 17 Uhr, www.goldenerhahn.com