Kleine Entdeckungen

Auszeit für die Rakete

Der Blick bleibt hängen. Unweigerlich. Auf der Museumsinsel, zwischen den prächtigen Museumsbauten und dem Säulengang im Kolonnadenhof, steht etwas, das optisch gar nicht passt. Besser gesagt, es fliegt: eine Rakete.

Oder ist es ein Schlitten? Oder eine verrostete Kanone mit Auspuffrohren? "Die Humpty-Dumpty-Maschine der totalen Zukunft" des Künstlers Jonathan Meese lenkt seit einigen Tagen die Aufmerksamkeit der Passanten auf sich. Je näher man ihr kommt, desto intensiver wirkt sie. Rund 2,30 Meter lang, schwebt sie schräg über einem Sockel. Eine Bierflasche steht da, ein Sitz mit einem blankpolierten Teller dient als Rückenlehne, und auf einer Art Windschutzscheibe steht "Dr. No". Fahnen wehen am Heck, der Rumpf ist übersäht mit rätselhaften Zeichen. Auch eine Sandmännchen-Rakete diente als Inspiration. Meese sagt, diese Maschine hole die Menschen ab und bringe sie zur Kunst. Im vergangenen Oktober stand sie zur Kunstmesse "Fiac" in Paris. Zwei Jahre macht zeitgenössische Bronzeskulptur nun in Berlin Station - und keine Bruchlandung. So wie Humpty Dumpty, das Ei aus dem englischen Kinderreim, das von einer Mauer fällt und von keiner Macht der Welt repariert werden kann. Ein hoffnungsloser Fall - und das Gegenteil von Meese.