Kulinarische Landpartie, Teil 3

Die Tradition von Rittern und Preußen ist allgegenwärtig

Zwischen den Orten Großbeeren und Blankenfelde gelegen, gilt das einstige Gut derer von Bandemer als klassisches Berliner Ausflugslokal. Schloss Diedersdorf ist schließlich nur fünf Kilometer von der Stadtgrenze entfernt. Bis zu 2000 Gäste finden in dem riesigen Biergarten Platz. Ihnen bietet sich ein urlaubshafter Blick auf weites Feld, Äcker, Wiesen und kleine Wäldchen.

Seit Anfang März werden Gäste bereits ab zehn Uhr mit bayerischen Deftigkeiten wie Haxe, Leberkäs' oder Weißwurst versorgt, zu Preisen zwischen drei und sechs Euro. Die Maß Löwenbräu kostet in der Happy Hour bis 13 Uhr die Hälfte (3,50 Euro).

Neben dem Schloss befindet sich das rustikale Restaurant Pferdestall mit lichtdurchflutetem Wintergarten. Bis zu achtzig Gäste verwöhnt Chefkoch Klaus Radant mit seiner modernen Landküche, etwa mit mürben Wildschweinmedaillons mit Gatower Kugeln, Möhrchen und Kartoffel-Sanddorn-Stampf (14,90 Euro). Vom Gelände führen zahlreiche Wanderwege in die freie Natur, die zum Verdauungsspaziergang einladen.

Ins südlich von Berlin gelegene Diedersdorf gelangt man über die Bundesstraßen 96 und 101. Aber auch S- und Regionalbahn sowie Fahrrad bieten sich als Transportmittel an. Allein sieben Velo-Routen offerieren die Betreiber von Schloss Diedersdorf. Vom kurzen Ausflug aus dem achthundert Einwohner zählenden Diedersdorf nach Kleinbeeren bis zur anderthalbstündigen Anfahrt von der S-Bahnstation Lichtenrade.

Nur eine halbe Stunde braucht die Regionalbahn von Südkreuz bis nach Luckenwalde. Die 20 000 Einwohner zählende Kreisstadt des Landkreises Teltow-Fläming zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass sie flach im Baruther Urstromtal liegt. Nicht zuletzt deshalb wurde dort der Fläming Skate angelegt. Dabei handelt es sich um einen hundert Kilometer langer Rundkurs, der drei Meter breit ist und für Inline-Skater und Radfahrer gebaut wurde.

"Für sie haben wir besondere Angebote", erklärt Herma Kasimir, Besitzerin des Vierseithofs. Sie selbst fährt eine kleine Runde, wenn sie Zeit dafür findet. Durch zusätzliche Schleifen und Diagonalen wurde der Kurs mittlerweile auf mehr als 270 Kilometer mit verschieden langen Rundkursen für alle Alters- und Konditionsklassen ausgebaut. Zum Kulturprogramm gehören der Besuch des mittelalterlichen Marktturmes und des Bauhaus-Industriebaudenkmals der ehemaligen Hutfabrik Steinberg, Hermann & Co. Für Wellness-Fans steht die Fläming-Therme offen.

Seit fast fünfzehn Jahren besteht der in sattem Preußisch-Gelb leuchtende Barockbau als Vier-Sterne-Hotel, bekannt für seine hervorragende Küche. Für die zeichnet seit langem Dieter Kobusch verantwortlich, der im "Restaurant Vier" zuletzt 14 Gault-Millau-Punkte erhielt. Nach langer Zeit als Gourmet-Restaurant hat Hotel-Chefin Kasimir vor einem Jahr einen Gang heruntergeschaltet. Eine gute Idee.

Nach wie vor speist man ausgesprochen fantasievoll und fein bei Dieter Kobusch. Alt-Deutsch trifft Neu-Deutsch, umschreibt der 43-Jährige sein Konzept. Das beginnt etwa mit hausgeräuchertem Saibling aus der Region, begleitet von Rote Beete und Feldsalat mit Kräuterpesto und Bocksklee-Käse. Bei den Hauptgerichten setzt Kobusch ebenfalls auf regionale Produkte. Sei es bei der Linumer Kalbsleber mit Schwarzwurzeln, Dörrobst und Kartoffelpüree, oder Scheiben von der exzellenten Flugentenbrust mit Enten-Feigen-Jus auf Armen Rittern, begleitet von Spitzkohlgemüse (um 18 Euro). Zum Nachtisch schickt er Köstliches wie Variationen von der Schokolade mit Ananas-Estragon-Ragout und Ingwer-Eis zum Gast.

Zehn Kilometer weiter auf der Bundesstraße 101, oder auf dem Fläming- Skate per Inliner oder Rad, erreicht man den kleinen märkischen Ort Kloster Zinna mit dem Zisterzienser-Kloster aus dem 13. Jahrhundert. Dort hat sich Roland Frankfurth mit dem Hotel Alte Försterei den Traum eines historischen Landgasthauses erfüllt. Hinter dem Platz mit einer Statue Friedrichs des Großen liegt das 20-Zimmer-Haus, das seine vier Sterne durch charmantes Ambiente und ausgezeichneten Service verdient hat. Die mit modernem Komfort ausgestatteten Zimmer sind den Gegebenheiten eines mehr als 250 Jahre alten Gebäudes angepasst: Historische Türen, Holzbalken und Fenster versetzen die Gäste in die Zeiten von Preußens Glanz.

Im historisch mit viel Liebe zum Detail eingerichteten "Restaurant Friedrichs Stuben" bekommen die Gäste Vorspeisen wie Salat mit geräuchertem Schweinefilet und Mozzarella von Jüterboger Wasserbüffeln. In der geräumigen Küche wird alles selbst hergestellt, auch die fluffigen Schupfnudeln, die einen saftigen Frischlingsrücken und Teltower Rübchen begleiten (13,50 Euro). Zum Nachtisch kredenzt Hotelier und Gastronom Frankfurth delikates Tannenhonig-Parfait mit Zitrusgrütze.

Pferdestall Schloss Diedersdorf, Kirchplatz 5, Diedersdorf,Tel. 033 79 353 50, täglich ab 7 Uhr, www.schlossdiedersdorf.de

Restaurant Vier Vierseithof , Am Herrenhaus 1, Luckenwalde, Tel. 033 71 626 80, Mo.-Do. 17-23 Uhr, Fr.-So.12-23 Uhr, www.vierseithof.de

Alte Försterei Romantik-Hotel, König-Friedrich-Platz 7, Kloster Zinna, Tel. 033 72 46 50, tägl. 12-23 Uhr, www.alte-foersterei.com