Kleine Entdeckungen

Die eingepackten Brüder

Wie Sie sehen, sehen Sie nichts. Nur zwei winterliche Couvertierungen Unter den Linden. Doch in wenigen Tagen werden sie fallen. Dann rahmen der steinerne Wilhelm von Humboldt (links) und sein Bruder Alexander wieder die Universität in Mitte ein, die ihren Namen trägt.

Ihre Verkleidung aus Holz ist eine Jahrhunderte alte Schutz-Methode und für die 2,50 Meter hohen Skulpturen aus weißem Carrara-Marmor rettende Notwendigkeit.

1869 hatte der Mediziner Rudolf Virchow zu Spenden für solch ein Denkmal aufgerufen. 100 000 Mark kamen innerhalb eines Jahres zusammen. 14 Jahre später folgte die Realisierung nach dem gewagten Entwurf des Künstlers Martin Paul Otto. Er folgte Wilhelm von Humboldts Prinzip "Ständeschranken überwinden durch Kunst und Bildung" und schuf das Abbild der Gelehrten in Sitzhaltung - bis dahin ein Privileg von Majestäten. Auch der Bildhauer Reinhold Begas, mit der Skulptur Alexander von Humboldts betraut, arbeitete nach diesem Plan. Diverse Sanierungen - zuletzt 1998 - konnten Spuren von Witterung und aggressiven Umwelteinflüssen nicht verhindern. Aber ins Museum mussten sie nicht, Gipskopien stehen auf den HU-Campus in Adlershof. Die Originale sind die Stars vor Ort.