Kleine Entdeckungen

Die Kathedrale von Neukölln

Wer durch die Richardstraße schlendert, kommt nach einer Reihe von Häusern aus der Wende zum 20. Jahrhundert zu einem Gebäude, das wie eine Kathedrale anmutet. Vom Boden bis zum Dach, vier Stockwerke in die Höhe ziehen sich dunkelrote Ziegel.

Vertikal durchbrochen von Dutzenden Fenstern. Ein wenig links von der Mitte steht das Eingangstor. Kein Mensch geht hier mehr ein und aus. Was liegt dahinter? Der Blick durch den Briefschlitz hilft nicht weiter, denn innen versperrt ein Kasten die Sicht.

Das Gebäude ist ein "typischer Müller". Hans Heinrich Müller hat es 1926 und 1927 geplant. Er war leitender Architekt der Berliner Städtischen Elektrizitätswerke AG (Bewag). Viele Berliner Gebäude zur Stromverteilung stammen von ihm. Nach der schrittweisen Stilllegung hat die "Wabe Bauentwicklung GmbH & Co Schaltwerk Richardstraße 20 KG" das Gebäude im Jahr 2000 von der Bewag gekauft - nicht nur dieses, sondern ein ganzes Paket ehemaliger Umspannwerke. Es gab verschiedene Konzepte, aber an der Richardstraße ging keines auf. Für ein Café ist es schlicht zu groß, und einen Club kann man auch nicht aufmachen - laute Musik würde die Nachbarn stören. Jetzt steht es leer. Ungenutzt aber schön.