Ausflugs-Tipp

Ein Gedicht auf die Nachtigall vom Brixplatz

Ein Stückchen Villenkolonie Westend, ein (Beinahe-)Blick aufs Olympiastadion und ein idyllischer Park - es gibt viel zu sehen rund um den Brixplatz. Am spannendsten wird es, wenn man sich ihm auf Umwegen nähert.

Vom U-Bahnhof Neu-Westend aus etwa geht es in die Ratzeburger Allee, eine von weißgetünchten Mietshäusern gesäumte kleine Straße, die uns bald in die Ebereschenallee führt. Dort biegen wir links ab und wandern am eher schmucklos gestalteten Steubenplatz in die Bolivarallee. Wer mag, spaziert dort auf dem Grünstreifen in der Mitte.

An der Altenburger Allee halten wir uns links. Oder gehen vorab noch bis zur Bolivarallee 17, wo eine Tafel an Volksschauspieler und Sänger Willi Rose (1902-1978) erinnert, der hier von 1950 bis zu seinem Tod lebte. Die Altenburger Allee und die Reußallee, in die wir nun einbiegen, sind ebenfalls von gepflegten Mietshäusern gesäumt, vor denen in kleinen Gärten die ersten Frühlingsboten blühen. Obstbäume stehen am Straßenrand - in einigen Wochen sind die in voller Blüte. Wir biegen links in die Go-

thaallee ein und erreichen wenig später die reizvolle, ebenfalls von einem baumbestandenen Mittelstreifen geschmückte Meiningenallee, auf der wir die Reichsstraße erreichen.

Von dort sind es nur noch ein paar Meter zum Brixplatz, der den Begriff Idyll wirklich verdient. Er entstand 1919 bis 1921 auf dem Gelände einer mit einigen Kiefern bestandenen alten Kiesgrube. Charlottenburgs Stadtgartendirektor Erwin Barth schuf den 2,1 Hektar großen Park mit viel Sinn für Romantik. Und mit dem Ziel, den Städtern ein Stück Brandenburg zu bieten, mit passenden Pflanzen und ähnlicher Landschaft. So erinnert eine Felsformation auf der Ostseite des Parks an die Rüdersdorfer Kalkfelsen. Im Nordosten lockt ein botanischer Lehrgarten, in dem es im Sommer in allen Farben blüht und nach vielen Kräutern duftet. Zentrum des Parks ist ein im Tal gelegener künstlicher See. Bänke laden an sonnigen Tagen zur Rast ein - glücklich ist, wer da ein bisschen Zeit für Mußestunden hat. Schmale Wege führen durch den Park, an dem berühmte Personen wie Paul Hindemith (Brixplatz 2), Max Schmeling und Anny Ondra (Brixplatz 9), Joachim Ringelnatz (Brixplatz 11) und andere wohnten. Ringelnatz verewigte den Platz, der bis 1947 Sachsenplatz hieß, sogar in einem Gedicht, an das am Parkeingang eine Tafel erinnert. Es handelt von einer Nachtigall, die er im Park gehört hat. Oder entstammte sie einfach nur seiner Fantasie?

Nach einer Runde um die liebevoll gepflegte Grünanlage wandern wir auf der Westendallee in die Schaumburgallee, biegen rechts in die Oldenburgallee und erreichen die Olympische Allee. Wer ihr rechts folgt, ist nach kurzer Zeit am Olympiastadion, Heimat von Herta BSC und Austragungsort des alljährlichen DFB-Pokal-Endspiels. Oder man spaziert zurück zum U-Bahnhof Neu-Westend - falls nicht noch Zeit für eine Mußestunde am Brixplatz bleibt. Mit oder ohne Nachtigall.

Länge: circa vier Kilometer