Berlin genießen

Hoch hinaus am oberen Kudamm

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Mathias Stengel

Der Kudamm ist für viele Gewerbetreibende und Wirte ein schwieriges, weil schwer zu kalkulierendes Pflaster. Denn Glanz und Glamour, für die die 3,5 Kilometer lange Strecke steht, haben vielerorts enorme Mieten zur Folge. Deshalb hat der Kudamm in den 125 Jahren seines Bestehens schon viele Händler und Gastronomen kommen und gehen sehen. Da zählt ein Restaurant, das es unter gleichem Namen schon seit 16 Jahren gibt, zu den etablierten Lokalen.

Seit 1995 ist Anjou P. Haufe mit seinem französischen Restaurant "Eiffel" am oberen Kudamm eine feste gastronomische Größe. Zur Jahrtausendwende wurde das Restaurant umgebaut. Es ist eine gelungene Hommage an den Erbauer des stählernen Pariser Wahrzeichens, Gustave Eiffel (1832-1923). Seit Sommer 2009 gibt nebenan auch noch das Geschäft für Wein- und Köstlichkeiten "Eiffel Detail", wo vor dem Essen ein Aperitif getrunken oder die Menü-Weine erworben werden können.

Französische Inspiration

Was dem Eiffel jahrelang fehlte, um sich aus der kulinarischen Beliebigkeit des Kudamms abzuheben, war ein Koch, der die Kraft hatte, das Restaurant über den Kiez hinaus zu einer Adresse für Gourmets zu machen. Dies gelang Ende 2007 mit der Verpflichtung des Brandenburger Meisterkochs Dirk Güttes, der im Potsdamer "Juliette" beachtliche 16 Gault-Millau-Punkte erkocht hat. Doch Güttes brauchte Zeit, um sich an seiner neuen Wirkungsstätte warm zu kochen. Jetzt ist der 37-Jährige wieder zu alter Form aufgelaufen. Beim Morgenpost-Menü im April will der gebürtige Rheinländer beweisen, dass er noch immer zu den besten Köchen der Region gehört und dass das Eiffel seinetwegen zu einer festen Größe am Kurfürstendamm wurde.

Anders als bei klassischen deutschen Menü-Folgen ist die Reihenfolge in diesem französisch inspirierten Menü etwas anders. Nach Vorspeise und Süppchen folgt der Hauptgang, bevor ein Käsegang und das abschließende Dessert das Menü abrunden. Es gibt begleitende Weine aus Frankreich. Drei davon entstammen einem Weingut aus dem Bordeaux.

Mit einer feinsäuerlichen, animierenden Garnelenterrine mit Gurken-Senf-Relish und Sauce Tatar startet Güttes in sein frühlingshaft-leichtes April-Menü. Dazu gibt es einen trockenen 2009er Bordeaux, eine Cuvée aus Sauvignon Blanc, Sémillon und Muscadelle, die durch seine Aromen von Grapefruit und Akazienblüte besticht und ein angenehmer Begleiter zu den Meeresfrüchten ist.

Wenn es im April wie angekündigt "überdurchschnittlich warm wird", könnte das Morgenpost-Menü auch schon mal auf der einladenden Außenterrasse eingenommen werden. Jedenfalls hat sich der Küchenchef auf wärmeres Wetter und den damit einhegenden Wunsch nach leichter Küche eingestellt und als zweiten Gang ein weißes Tomatensüppchen kreiert, das kalt serviert wird, mit Ratatouillesalat und Thunfischrilette in geräuchertem Thunfisch. Zu diesem pikanten Gang gibt es einen weißen 2009er M. Chapoutier "La Ciboise" Cotes du Luberon.

Triologie vom Kalb

Zum Hauptgang wird es delikat deftig, da fährt Güttes eine erlesene Trilogie vom Kalb auf: gebackenes Bries, rosa gebratenes Steak und zart geschmortes Bäckchen mit grünem und weißem Spargel, Morcheln und Bärlauch-Kartoffelpüree - eine Wonne. Dazu passt ein roter Bordeaux, ein 2009er Clairet aus Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc mit fruchtbetontem Bukett und lebhaften Aromen.

Der dem Hauptgang folgende Käsegang ist keiner im klassischen Sinne. Güttes hat darin einen milden Comté zu einem Flan verarbeitet und reicht kandierte Oliven, Granny Smith und Basilikum. Ein roter 2007er Les Templiers Premières Cotes de Bordeaux mit fruchtigem Bukett und blumigen Noten begleitet diesen Gang.

Das süße Finale ist eine Schokoladentartelette mit Erdbeer-Rhabarber-Kompott und Sauerrahmeis. Mit einem Cremant Rosé Excellence von Bouvet, einem trockenen Schaumwein von der Loire, findet das frühlingshafte Eiffel-Menü seinen beschwingten Abschluss.