Ausstellung

Kurt Mühlenhaupt, der Kreuzberg-Maler

Er war eine Art Verkörperung des Nachkriegs-Kreuzbergs, der Mann mit Hut und beträchtlicher Leibesfülle, jenes Kreuzbergs, das arm war und vom Rauch der Kohleöfen ganz grau, das keine große Vergangenheit hatte und kaum Zukunft, das ein Schmelztiegel war für türkische Gastarbeiter, Arbeitsmüde und Studenten, für Gestrandete, Suffköppe und Künstler.

Es war das Biotop des Kurt Mühlenhaupt, und der Chamissoplatz geriet zum heimlichen Mittelpunkt. Hier hatte er in den siebziger Jahren sein Atelier, hier hielt er Hof. Nun werden dem 2006 verstorbenen Maler zu seinem 90. Geburtstag gleich zwei Ausstellungen gewidmet. "Rund um den Chamissoplatz - Wegsaniert und zurückgekehrt" zeigt in der Galerie der Marheineke-Markthalle Bilder aus der Welt der kleinen Leute, eines Quartiers der Lebensartisten und des Überlebenswillens. Die Saarländische Galerie lenkt das Augenmerk mit "Kurt Mühlenhaupt - Blind gemalt" auf die letzten beiden Jahre des Künstlers, in denen er seine Sehkraft völlig eingebüßt hatte. Nur mit Unterstützung einer Assistentin war es ihm noch möglich, die Farben aufzutragen. Das Ergebnis jedoch waren erstaunlich typische Mühlenhaupt-Bilder, die zeigen: Der Berserker war blind, aber ungebrochen.

Ausstellung: Marheineke Markthalle, Marheinekeplatz 15, Kreuzberg, Mo-Fr 8-20 Uhr, Sa 8-18 Uhr, 26. März-30. April

Saarländische Galerie, Am Festungsgraben 1, Mitte, Vernissage 24. März, 19 Uhr, Di-So 15-19 Uhr, Tel. 20 07 72 58. Bis 8. Mai