Film: Sascha

Jung, schwul und ziemlich unglücklich

"Young, Gay & Unhappy" steht in der Schwulenzeitschrift, die Sascha an der Tankstelle heimlich durchblättert. Und das trifft recht genau seine Situation. Jung, schwul und ziemlich unglücklich ist auch er, denn der 19-jährige Sohn einer montenegrinischen Immigrantenfamilie in Köln traut sich einfach nicht, sich zu outen.

Vor allem sein Macho-Vater hält auch nach zwei Jahrzehnten in Deutschland ein antiquiertes Männerbild aufrecht. Doch damit nicht genug. Sascha (Sasa Kekez) ist auch noch in seinen gut aussehenden Klavierlehrer Gebhard Weber (Tim Bergmann) verliebt, der ihm gerade eröffnet hat, dass er nach Wien zieht, wo man ihm eine Professur angeboten hat. Als sich Sascha schließlich verzweifelt seiner besten Freundin Jiao (Yvonne Yung Hee) anvertraut, hat die eigentlich eine Liebeserklärung erwartet und fühlt sich vor den Kopf gestoßen. Und dann ist da noch die Aufnahmeprüfung am Konservatorium, aber im Moment kann er sich gar nicht darauf konzentrieren. Deshalb liegt ihm auch seine Mutter dauernd in den Ohren, die sich für ihren Sohn wünscht, was ihr selbst verwehrt blieb, und die dafür neben der Kneipe, die sie mit ihrem Mann betreibt, auch nochHeimarbeit macht.

Ganz schön viel auf einmal für den Jungen. Und so präsentiert er Jiao erst mal als seine Freundin, auch wenn sein jüngerer (und sportlicherer) Bruder Boki ebenfalls ein Auge auf das Mädchen geworfen hat. Die hat sich nach dem anfänglichen Schock gefangen und bestärkt Sascha darin, Gebhard seine Liebe zu gestehen. Was dann erst mal gehörig schiefgeht, denn der entpuppt sich als ebenso bindungsunwillig wie selbstverliebt. Das will Sascha aber nicht sehen und stürzt sich nach der verhauenen Prüfung haltlos in das, was er für seine Zukunft hält.

Wirklich neu ist dieses Coming-out-Szenario nicht, aber Regisseur und Drehbuchautor Dennis Todorovic erzählt die Geschichte in seinem Debütfilm durchaus charmant, mit viel Herzblut, und verzichtet weitgehend auf Klischees. Mit genauem Auge und Ohr für das Einwanderermilieu (der 1977 geborene Regisseur hat einen montenegrinischen Vater und eine tschechische Mutter) inszeniert er eine turbulente Mischung aus Multikultikomödie, Coming-Out-Film und Familiendrama, die ebenso wie derzeit der Kinohit "Almanya" humorvoll die Situation von Gastarbeitern in Deutschland reflektiert. In seinen komischen Momenten trifft "Sascha" zwar nicht immer auf den Punkt - der dusselig-faule Onkel aus Mazedonien etwa, der das Badezimmer renovieren soll, oder die beiden debilen Dauergäste in der Familienkneipe sind überzogener Slapstick - unterhält aber mit sympathischen Darstellern und fetzigem Balkanpop-Soundtrack. Schließlich findet der Film ein erstaunlich berührendes Ende.

Tragikomödie: D 2009, 101 Min, von Dennis Todorovic, mit Sasa Kekez, Tim Bergmann, Zeljka Preksavec, Pedja Bjelac

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