Berliner Perlen

Das luftig-leichte Vergnügen

Der Laden sieht gar nicht so groß aus, wenn man davor steht. Aber er hat es in sich: Bei bei "Trendyballony" lagern ungefähr 20 000 Luftballons, im Keller weitere 100 000 Stück, schätzt Inhaber Marco Libano nach einem langen Blick durch den Raum.

Gut, dass die meisten nicht aufgepustet oder gar mit Helium gefüllt sind, sonst würde sich womöglich der ganze schöne Altbau am Kaiserdamm in die Luft heben und davonschweben, über die Messe hinweg gleiten und sich vielleicht an irgendeinem See niederlassen. Auf und davon. Aber nichts geschieht, das Haus bleibt stehen.

Musik auf Bestellung

Also kann man dort Ballons kaufen. Kleine und große, dicke und dünne, einfarbige, bunte und beschriebene. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. "Es kommt dauernd Neues auf den Markt, zum Beispiel singende Ballons: Man klopft darauf und es beginnt ein Musikstück", sagt Marco Libano.

Sein Laden besteht aus einem großen Raum, am Ende steht der Tresen mit der Kasse, dahinter geht es zu einem winzigen Büro. In der Mitte des Ladens stehen zwei Regaltische, an den Wänden stehen weitere Regale. Sie sind vollgestopft mit Schachteln und Fächern voller Ballons in allen Preisklassen. Verkauft werden sie einzeln, in Packungen oder nach Gewicht. Je nachdem, wie viel man haben will. In der Luft schweben einzelne Ballons, sie sind mit Helium gefüllt und nur ein paar zarte Schnüre verhindern, dass sie davonfliegen, sobald sich die Ladentür öffnet.

Marco Libano hat eine versteckte Falltür im Boden geöffnet. Er steigt über eine schmale Holztreppe ohne Geländer hinab und verschwindet in der Tiefe. Unten ist es warm und trocken, wie geschaffen, um Ballons aufzubewahren und Dekorationen zusammenzustellen. Wer nämlich unter den 120 000 Ballons nichts Passendes findet, der kann sich mehrere Exemplare miteinander verdrehen, verknüpfen oder zusammenstecken lassen, bis daraus die tollsten Figuren entstanden sind: Girlanden, Blumensträuße, Herzen oder Minnie Mouse.

Libano kann alles. Der 42-Jährige führt nämlich den seltenen Titel CBA. Das ist die Abkürzung für "Certified Balloon Artist", also geprüfter Ballonkünstler. Dafür muss man Theorie und Praxis pauken, zum Beispiel den Umgang mit dem Ballon-Gas Helium. Oder wie man bestimmte Figuren knüpft. Es gibt nicht allzu viele CBAs. In Berlin sind es lediglich zwei, sagt der zertifizierte Ballonkünstler. Aber weltweit sei da eine Ballon-Gemeinde, die miteinander engen Kontakt hält. Der Lehrgang wird in den Vereinigten Staaten angeboten. Dort findet man auch die meisten Ballon-Artisten, mehrere Hundert, schätzt Marco Libano.

Eigentlich ist er gelernter Zahnarzthelfer. Mit 15 Jahren Berufserfahrung. Aber weil schon sein Vater Dekorationen aus Luftballons herstellte, wurde auch der Sohn häufig gebraucht. Die Idee, damit Geld zu verdienen, hat Marco Libano stets begleitet. 2006 bestellte er kurzerhand für 50 Euro Ballons. Das war der Beginn von "Trendyballony".

Zunächst diente die Wohnung als Lager. Den Handel wickelte er über das Internet ab. Nach einem Jahr fand seine Frau Petra, beschäftigt beim Berliner Finanzsenator, dass die Kisten und Kästen zu Hause zu viel wurden. Marco Libano suchte also einen Laden und fand etwas am Kaiserdamm. Allerdings warnte man ihn, dass das ein Ort ohne Laufkundschaft sei. Der mutige Zahnarzthelfer wagte es aber trotzdem.

"Das erste Jahr war sehr, sehr hart", erinnert er sich. Aber seine eigenwillige Idee kam an. Inzwischen hat er eine festangestellte Mitarbeiterin, zwei Mitarbeiter auf einer pauschalen Basis, und wenn er einen großen Auftrag hat, engagiert er seinen 16-jährigen Sohn und einige Studenten. Nebenher arbeitet er ein wenig als Schulungshelfer in seinem Lehrberuf. Libano hat einen 14-Stunden-Tag. Auch am Wochenende. Da melden sich Kunden gern mal nachts und ordern einen Ballonstrauß für die Liebste.

In den vergangenen Jahren hat Libano ein Netz zu anderen Ballonartisten und Lieferstellen für Helium geknüpft "Wir können deutschlandweit agieren, auch was das Gas betrifft", sagt er. Das ist wichtig, denn man kann die Ballongebilde bereits aufgepustet bestellen. Dann schwebt ein Ballon aus dem Päckchen, wenn der Empfänger es öffnet. Traumhaft.

Ökologisch korrekt

Alle Figuren im Sortiment sind so ausgeklügelt, dass Libano sie in ziemlich kleinen Kartons unterbringen kann. Außerdem bestehen sie aus Naturlatex. "Alles verrottbar" sagt Libano über die Umweltverträglichkeit seiner Waren. Ebenfalls ökologisch korrekt: Die Gestecke werden ohne Schnur und Draht gebaut.

So ein Ballongruß kostet 15 Euro, inklusive Verpackung und Versand. Dekorationen für Themenparties gibt es für zwölf bis 20 Euro. Wer Libano und seine Mitarbeiter extra anfahren lässt, muss für eine kleine Geburtstagsdeko mindestens 100 Euro bezahlen. Und richtig teuer wird es, wenn die BVG einen Bahnhof eröffnet, das Hannoversche Staatstheater eine Ballonwolke bestellt oder das Adagio für seine Silvesterparty Punkt Mitternacht tausende Ballons auf die Gäste herabschweben lässt. Aber für einen Moment fühlen sich die Gäste da wieder wie Kinder. Und das ist den Preis wert.

Trendyballony Kaiserdamm 84, Charlottenburg, Tel. 301 077 87, Montag-Freitag 9-18 Uhr, Sonnabend 10-13 Uhr, www.trendy-ballony.de