Serie: Kulinarische Landpartie, Teil 1: Potsdams Landhausküche

Rund um Berlin lässt sich gut und günstig speisen

In den folgenden acht Wochen nehmen Sie Reporter der Berliner Morgenpost mit auf eine "Kulinarische Landpartie" und stellen wichtige Restaurants einer Region vor. Heute beginnen wir mit "Potsdams Landhausküche", gehen dann rund um Berlin auf Entdeckungstour und beenden unsere Serie am 7. Mai mit "Potsdams feiner Küche". Von Mitte Mai an finden Sie an dieser Stelle wieder die Kolumne "GourmetSpitzen" von Heinz Horrmann.

Die Brandenburger Gastronomie hat es nicht leicht. Sie muss sich gegen die scheinbar erdrückende Übermacht der Berliner Restaurants behaupten, die zudem noch von vielen Touristen besucht werden. Doch wer auf Qualität, regionale Produkte und ein vernünftiges Preis-Leistungs-Verhältnis setzt, kann sich auf dem märkischen Markt behaupten. Wie etwa das Potsdamer Landhaus Specker, in dem an Wochentagen ein zweigängiger Mittagstisch für 8,50 Euro von einem "Brandenburger Meisterkoch 2009" serviert wird: Chefkoch Steffen Specker steht für "ehrliche Küche". So bezeichnet der 34-Jährige die Verwendung möglichst regionaler und saisonaler Produkte, die klassisch handwerklich, zu bezahlbaren Preisen auf den Tisch kommen.

50 Plätze gibt es im rustikal eingerichteten Schankraum. Bei warmen Temperaturen kommen noch einmal 70 Terrassenplätze im Garten dazu. Über dem Schankraum hält der Patron Gottfried Specker drei Fremdenzimmer bereit. Tochter Tina ist im Restaurant für den professionellen Service und die Weine verantwortlich.

Abends kocht deren Ehemann Steffen die Kür für Gäste. In ruhiger Atmosphäre können Besucher eine fabelhaft würzige Wildtaubenconsommé mit Tranchen von der Brust, Topinamburscheibchen und Pilzen genießen (7,50 Euro). Oder eine Brandenburger Entenbrust mit Leber, Wirsing-Wurzelgemüse, Majoran-Entenjus und kleinen Semmelknödelkrapfen (24 Euro). Daneben ist ein Drei-Gang-Frühlingsmenü im Angebot (32 Euro). Für Allergiker gibt es vegetarische und laktosefreie Speisen, etwa Fenchel mit Paprika-Polenta.

Am Neuen Markt betreibt Saarländer Tom Fuchs seit 2010 das Restaurant "Zur Ratswaage". Standort ist das 1752 erbaute Barockhaus des Baumeisters Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff. Wenn man auf den Platz sieht, bekommt man eine Vorstellung, wie es dort vor zweihundertfünfzig Jahren ausgesehen haben mag. Dem historischen Ambiente setzt Gastronom Fuchs einen stilvollen, sachlich eingerichteten Schankraum entgegen, in dem im Drei-Monats-Rhythmus moderne Kunst ausgestellt wird.

Der gelernte Metzger und Caterer bietet Gerichte, die der Jahreszeit angepasst und erschwinglich sind. Das beginnt beim zweigängigen Mittagsmenü für 7,50 Euro und geht weiter mit köstlichen Vorspeisen, etwa kleinen Rouladen vom Freesisch Ochs (7,60 Euro), gefüllt mit Streifen von getrockneten Aprikosen. Die mit Nelke und Muskat fein abgeschmeckte Blutwurst für die Variation von Himmel und Erde (10,80 Euro) kommt aus dem Saarland. Dass sich dort auch Slow-Food-Anhänger wohlfühlen, wird spätestens beim Werderaner Bio-Schwein klar, dessen Steak herrlich saftig ist und mit Spinat und Röstkartoffeln serviert wird (12,80 Euro).

Zu einem Potsdam-Besuch gehört zweifellos auch eine Visite der preußischen Schlösser und Gärten. Den idealen Start- oder Schlusspunkt eines Besuchs bietet das Drachenhaus neben dem Belvedere auf dem Klausberg im Park Sanssouci. 1751 errichtete Carl von Gontard das Haus im Stil einer chinesischen Pagode. Seit 1986 führt Peter Hortig in dem im Biedermeier eingerichteten Schankraum die Geschäfte.

Lange Jahre als Café geführt, hat man peu à peu auf ein Feinschmecker-Restaurant umgestellt. Neben Klassikern wie dem Wiener Schnitzel - von Stammgast Wolfgang Joop hoch gelobt - bringt Köchin Veronika Dietrich am liebsten regionale Produkte auf die Karte. Ein Fischer aus Caputh sorgt für frische Ware. Wild wird direkt beim Jäger gekauft, Fleisch bei Bauern aus Brandenburg.

Gesund und delikat sind Vollkorn-Dinkel-Panzarotti, deren Ricotta-Limetten-Füllung mit den konfierten Tomaten harmoniert (13,50 Euro). Bodenständige Hauptgerichte mit Pfiff sind Spezialität der Köchin, etwa geschmorte Ochsenbacken mit Trollinger-Jus, mediterranen Gemüsen und Kartoffelpüree (15,50 Euro). Die Lage mitten im Park lässt keine Stellplätze vor der Tür zu. Abschließend also ein Verdauungsspaziergang zum Parkplatz am Neuen Palais.

Speckers Landhaus Jägerallee 13, Di.-Sbd. 12-14 Uhr und18-23 Uhr, Tel. 0331-280 43 11 www.speckers.de

Drachenhaus Maulbeerallee 4a, Tel. 0331-505 38 08, März-Oktober, ab 11 Uhr, www.drachenhaus.de

Zur Ratswaage Am Neuen Markt 10, Tel. 0331-20 08 14 65, tgl. (außer Mo.) ab 11.30 Uhr, www.zur-ratswaage.de