Kleine Entdeckungen

Das Licht von Lichtenberg

Wer über die Frankfurter Allee nach Lichtenberg fährt, fühlt sich um 20 Jahre zurück versetzt. Mindestens. Lieblos reiht sich Plattenbau an Plattenbau. Aber man sollte Lichtenberg nicht vorschnell beurteilen. Es hat schöne Ecken wie die Victoriastadt - auch Kaskelkiez genannt - im Südwesten.

Von der Frankfurter Allee sind es nur wenige Minuten bis zur Pfarrstraße, die in Nord-Süd-Richtung fast bis an die Rummelsburger Bucht führt. Dort stehen verspielte Gebäude aus der Gründerzeit Anfang des 19. Jahrhunderts. Teils sind sie stark renovierungsbedürftig. Doch das ist gar nicht so schlimm. Nicht nur bei Sonnenschein schwebt ein leicht mediterranes Flair durch die Straße, die verschiedenfarbigen Hausfassaden leuchten um die Wette. Vielleicht war es diese für Berlin außergewöhnliche Atmosphäre, die Heinrich Zille so mochte. Der Dichter lebte um 1900 fünf Jahre lang im Kaskelkiez, als der "Kuhgraben" noch Abwässer zur Rummelsburg führte. Der Film "Zille und ick" wurde 1982 in der Pfarrstraße gedreht. Nach dem Mauerfall eroberten Hausbesetzer die Straße. 1998 wurde das letzte Haus geräumt. Plakate an Haus Nummer 96 erinnern an die früheren, wilden Zeiten - und jetzt protestieren dort Anwohner gegen den Ausbau der Stadtautobahn A 100.