Film: The Rite - Das Ritual

Der mit dem Teufel tanzt

Der junge Seminarist Michael Kovak war immer ein Skeptiker. Im tiefsten Herzen konnte er nie an Gott und den Teufel glauben. Aber er wollte unbedingt weg von seinem Vater, einem Bestatter, der von ihm erwartet, entweder Priester oder Bestatter zu werden.

Er ist ins Priesterseminar gegangen, nur um kurz vor seiner Weihe, Zweifel anzumelden und zu gehen. Doch darauf lässt sich sein dortiger Mentor nicht ein. Er schickt Michael stattdessen nach Rom, wo er an einem zweimonatigen Kursus für Exorzisten teilnehmen soll.

"The Rite - Das Ritual", Mikael Håfströms fiktionalisierte Annäherung an Matt Baglios Sachbuch "Die Schule der Exorzisten", überrascht zunächst einmal aufgrund seiner angenehmen Zurückhaltung. Michaels von einer gewissen Ironie erfüllte Distanz zum Seminarleiter Pater Xavier (Ciarán Hinds) lädt zu einem offnen, dabei aber eher rationalen Blick auf Teufelsglauben und Dämonenaustreibungen ein. Es ist der gesunde Zweifel eines Menschen des 21. Jahrhunderts, den nicht einmal die ersten Begegnungen mit dem erfahrenen Exorzisten Pater Lucas (Anthony Hopkins) ausräumen können.

Aber dabei bleibt es natürlich nicht. Das Genre des Horrorfilms wie auch die Traditionen des Exorzismus-Kinos verlangen deutlichere Bilder und reichlich dämonisches Treiben; und der schwedische Regisseur Mikael Håfström ist kein Regisseur, der sich diesen Konventionen widersetzen würde. Je tiefer sich Pater Lucas in einen Kampf mit einem Dämon verstrickt, der Besitz von einem schwangeren 16-jährigen Mädchen ergriffen hat, desto bedrohlicher schwillt Alex Heffs' Musik an. Håfström bemüht den ganzen Hollywood-Hokuspokus, der ihm zur Verfügung steht und hämmert so nicht nur Michael, sondern auch dem Publikum den Glauben an Gott und den Teufel regelrecht ein. Dass sich Anthony Hopkins dabei mal wieder selbst ganz teuflisch geben darf, ist auch keine besonders große Überraschung. Nur variiert er seinen Hannibal Lecter hier derart plump, dass er fast schon zu einer Karikatur seiner selbst wird.

Die überdeutlichen Effekte, das übertriebene Spiel von Anthony Hopkins, die in hohem Grade bemühten surrealen Visionen Michaels - das hätten durchaus passende Zutaten für einen reißerischen Horrorfilm sein können. Doch Mikael Håfström will viel mehr. Subtilität ist ihm gänzlich fremd.

Jedes noch so abstruse Bild ist von einer penetranten Bedeutsamkeit erfüllt und signalisiert: Hier geht es um alles, um Gut und Böse, den Menschen und Gott. So entpuppt sich der anfängliche Skeptizismus als Köder, der sein Publikum in einen vatikanischen Propagandafilm hineinziehen soll. Zu allem Überfluss begnügen sich Håfström und sein Drehbuchautor Michael Petroni nicht damit, Exorzismen als unerlässliches Mittel im Kampf gegen das von Außen, aus der Hölle, kommende Böse zu präsentieren. Unterschwellig preisen sie auch noch den Zölibat als absolute Notwendigkeit, die Priester vor den Angriffen des ewigen Widersachers schützt.

Horror: USA 2011, 112 Min., von Mikael Håfström, mit Colin O'Donoghue, Anthony Hopkins, Alice Braga

++---