Mein perfekter Sonntag

Am Wasser entspannen

Für den Berliner Schauspieler Alexander Schubert gehört der Sonntag ganz der Familie. "Ich verbringe ihn meist mit meiner Lebensgefährtin und meiner Tochter", sagt der 40-Jährige. Hat er aber mal einen Sonntag für sich allein, dann gibt es, anders als bei den meisten, weder Brötchen noch ein gekochtes Ei zum Frühstück, sondern einfach nur Kaffee.

Den trinkt er am liebsten im Café K in Charlottenburg. Er mag das ruhige Ambiente und vor allem die Tatsache, dass das Lokal "nicht so hip" ist: "Im Sommer kann man hier gemütlich draußen sitzen und ist auch noch von Kunst umgeben." Überhaupt liebt der Mann die Metropole: "Diese Stadt schmort niemals im eigenen Saft, sondern ist immer von den unterschiedlichsten kulturellen, nationalen und internationalen Einflüssen getrieben."

Raus zur Glienicker Brücke

Bis er sich nach dem Aufstehen etwas zu Essen gönnt, dauert es mindestens drei Stunden, deshalb zieht es ihn bei schönem Wetter raus in die Natur. Er geht gern zur Glienicker Brücke, die nach dem Bau der Mauer nur noch von alliierten Militärs und Diplomaten passiert werden durfte. Die Grenzübergangsstelle auf der Brücke wurde früher für spektakuläre Austauschaktionen internationaler Agenten aus Ost und West genutzt. Aufs Wasser zu blicken, gibt Alexander Schubert ein beruhigendes Gefühl. "Ich bin schon als Kind viel geschwommen", sagt er. "Wasser hat so eine faszinierende Kraft, die man nicht beherrschen kann. Wenn ich mich in diesem Element bewege, ist das ein unglaubliches Gefühl von Freiheit."

Alexander Schubert wuchs in Ostdeutschland auf. Sein Vater war Schauspieler Günter Schubert, ein Bühnen- und Fernsehstar in der ehemaligen DDR. "Dadurch habe ich einen wahrscheinlich anderen Bezug zu diesem Beruf. Vor allem, weil man die Schauspieler nicht nur aus dem Fernsehen kennt, sondern viele auch privat von seiner Couch zu Hause." Trotzdem lernte er zunächst Stuckateur. Da ihn aber alles interessierte, was mit Film zu tun hatte, war er lange freiberuflich Ausstatter, Locationscout, Aufnahmeleiter und Regieassistent.

Seine erste Filmrolle bekam er mit 16 Jahren in der DDR. Eine befreundete Regisseurin hatte ihn angesprochen. Er fand es toll, wie man als Filmkind hofiert wird. Dass hinter der Schauspielerei viel Arbeit steckt, wurde ihm erst später klar. Alexander Schubert war gerade mal 18 Jahre alt, als die Mauer fiel. "Nach der Wende habe ich vieles nachgeholt", sagt er. "Ich habe mir erst einmal eine Unmenge Filme, die man in der DDR vorher einfach nicht sehen konnte, ausgeliehen. Ich war begeistert davon, welche Möglichkeiten der Film bietet, Geschichten zu erzählen."

Alexander Schubert ist eigentlich Linkshänder, wurde aber zum Rechtshänder "umgeschult". Dabei ist ihm das erste Mal aufgefallen, dass Menschen mit links gestikulieren, wenn es um Emotionen geht und mit rechts, wenn es um rationale Dinge geht. Und er begann, Leute zu studieren und ihre Gestik zu imitieren. Und bis heute nutzt er gerade seinen freien Sonntag dazu, um Spazieren zu gehen und dabei zu beobachten. "Dabei treffe ich die unterschiedlichsten Menschen und Charaktere", sagt er. "Jeder bewegt sich individuell anders. Der Gang, die Körperhaltung, Gestik und Mimik. Durch das Beobachten der Körpersprache kann ich viel für meine Rollen lernen." Mittlerweile ist Schubert vor allem für seine Darstellung des eigenbrötlerischen Außenkorrespondenten Albrecht Humboldt in der ZDF-Satiresendung "Heute-Show" bekannt, die mehrfach ausgezeichnet wurde, unter anderem mit dem Deutschen Fernsehpreis und dem Comedy Preis.

Mit der Fähre zur Pfaueninsel

Eines seiner Lieblingsziele - um zu Beobachten - ist die Pfaueninsel. Die Insel im Südwesten Berlins und ist nur mit einer Fähre erreichbar. Auf der Insel begegnen dem Spaziergänger frei lebende Pfauen zwischen historischen Gebäuden. Hier gibt es überall kleine Brunnen, Schlösser und sogar ein Palmenhaus. Die gesamte Insel wurde bereits 1924 zum Naturschutzgebiet erklärt und 1990 in die Unesco-Weltkulturerbe-Liste aufgenommen. Die Pfaueninsel - das ist wie Urlaub in der Stadt. Sobald Alexander Schubert dann doch noch Hunger bekommt, bewegt er sich wieder gerne auf dem Wasser und besucht das Schiffsrestaurant "John Barnett", das vor dem Potsdamer Hans-Otto-Theater fest vor Anker liegt.

"Das eigentlich tolle an Sonntagen ist, dass alles ein bisschen langsamer passiert. Es gibt weniger Verkehr auf den Straßen und die Leute sind nicht so gehetzt", sagt er. Ein perfekter Sonntag klingt am Abend mit einer Runde Poker aus. Seit einem Jahr pokert Alexander Schubert regelmäßig. Beim Poker geht es vor allem darum, sich nicht anmerken zu lassen, ob man ein gutes oder ein schlechtes Blatt in der Hand hat. Genau das macht Schubert enormen Spaß: "Ich schaue mir genau die Körperhaltung an und die Reaktionen meiner Mitspieler", sagt er. "Das ist da natürlich nicht so einfach, an Informationen zu kommen. Pokerspieler versuchen - durch eine möglichst ruhige und neutrale Haltung - so wenig wie möglich von sich Preis zu geben." Auch wenn er zugibt, dass ihm in manchen Situationen dennoch die Hände zittern: das perfekte Pokerface hat er als Schauspieler allemal.

"Das Tolle an Sonntagen ist, dass alles etwas langsamer abläuft"

Alexander Schubert, Schauspieler