Berlin genießen

Nicht nur kleine Absacker

Mit den Schriftzügen "Claudia" und "Naomi" auf der Sessel-Lehne trinkt es sich schön. Und angesagt. Das "Catwalk" ist eine der neuesten Bars in der Stadt. Vor allem ist die Eck-Location im Marriott Hotel eine Stätte des gepflegten, nächtlichen Trinkgenusses.

Doch sie hat einen zusätzlichen Charme: Gestaltet von Modemacher Michael Michalsky vermittelt sie das Gefühl, zumindest für ein paar Stunden Teil der glamourösen Fashionwelt zu sein. Besonders, wenn man auf Stühlen sitzt, die mit Namen von Supermodels und Designern bedruckt sind.

Michalsky hat die Bar ganz nach dem eigenem Geschmack gestaltet: viel Chrom, viel Grau, Schwarz, Brombeer und Gold. Und viele Spiegel. "Ich habe ganz egoistisch die Bar designt, wie ich sie gerne zum Ausgehen hätte", sagt der Modemacher, der seine Interieurdesign-Passion schon bei seinen eigenen Modeläden ausgelebt hat. Auch deren Gestaltung ist 100 Prozent Michalsky. Die Verbindung Mode und Trinkkultur findet er durchaus passend. "Ich gehe selbst gerne aus. Trinken in Maßen ist wie die Mode: ein Genuss", sagt er.

In der "Catwalk-Bar" war zwar Michael Michalsky der verantwortliche Designer, der auch das schwarz-weiße Bartender-Outfit gestaltete und aus seinem Fundus rare Fotografien 140 Bilder für die Wanddekoration auswählte. Die Getränkkarte ist jedoch das Werk von Bar-Manager Andreas Berg. Von der Modewelt inspiriert kreierte er etwa 30 Cocktails. "En Vogue" beispielsweise ist ein Mix aus Champagner, Wodka, Himbeeren und Limettensaft. Die Betreiber sind besonders stolz auf ihre Drinks mit nicht ganz gewöhnlichen Zutaten wie Ingwer, Salbei, Orange und Melisse. Die Food-Linie von Marriott-Küchendirektor Martin Schmidt ist ganz auf den Geschmack der Gäste zugeschnitten: mittags eher leichte Kost für die noch arbeitende Bevölkerung. Abends wird es etwas gehaltvoller, etwas sättigender, damit die urbanen Nachtschwärmer mehr als nur einen Drink vertragen. Im Angebot ist etwa eine Cremesuppe vom Hokkaido-Kürbis mit Gin.

Tapas und Wein

Seit zweieinhalb Jahren gibt es im Grand Hyatt Berlin das "Mesa". Es bietet Drinks und internationale Tapas. In dessen Räume ist nun der deutsche Wein eingezogen: die "Riesling-Lounge". Dort wird der weltweit renommierte Wein ausgeschenkt, ebenfalls gefragte Spitzen-Spätburgunder. "Nach einer Studie haben viele Verbraucher nur rudimentäre Kenntnisse über den deutschen Wein", sagt der Pfälzer Winzer Markus Schneider. Er baut Rieslingtrauben an und freut sich selbstverständlich über die Kooperation zwischen dem in Mainz ansässigen Deutschem Weininstitut und dem Hyatt.

Das Ergebnis ist gleichermaßen lehr- wie genussreich: In den meterhohen, gläsernen Regalen lagern Weine aus allen 13 deutschen Anbaugebieten. Sie werden offen glasweise ausgeschenkt. Damit hebt sich die Lounge-Bar von anderen deutlich ab. Top-Weine stehen in Bars nicht sehr im Fokus. In der Riesling-Lounge wird dazu nicht das übliche Knuspergebäck serviert. Statt dessen ist feine Kost in Häppchenform im Angebot. Aber passend mit deutschem Schwerpunkt.

Vieles unter einen Hut zu bringen, funktioniert dann, wenn die Rollen klar verteilt sind. Deshalb gehören regelmäßige Abende mit jungen Winzern zum Programm der "Riesling-Lounge". "Die Weinbauern können am besten ihre Weine präsentieren. Die Gäste haben die Möglichkeit, mit den Winzern ins Gespräch zu kommen", sagt Hyatt-Hotelmanager Heddo Siebs, der durchschnittlich zwei Winzerabende pro Monat veranstaltet. Am heutigen Sonnabend ist das rheinhessische Weingut Gunderloch zu Gast und präsentiert seine Rieslinge im Rahmen einer Verkostung mit typischen Mesa-Snacks.

Bars wie "Riesling-Lounge" und "Catwalk", die mehr als Getränkeservice oder persönliche Vorlieben der Betreiber kultivieren, sind nicht der Standard in der Berliner Gastrolandschaft. Die "Tausend" Bar dagegen hat einst als angesagte Bar eröffnet. Inzwischen gibt es mit der "Tausend Backroom Cantina" auch ein genauso gefragtes Restaurant. Dort wird mehr geboten als Erdnüsse und ähnlich schlichte Kost.

Der "Krug Room" im "Uma" an Mittes Behrenstraße ist eine Bar, in der diniert wird. Es gibt ausschließlich Krug-Champagner. Dazu serviert Küchenchef Stephan Zuber seine Menüs. Keine Schnäppchen-Bar für Zwischendurch.

"Play" heißt eine Bar-Lounge am Alexanderplatz. Eine weitere Filiale floriert am Hauptbahnhof. Dort entspannen sich die meist jungen Gäste nicht nur beim Drink. Sie dürfen sich auch an Wii-Computer-Spielen austoben.

Das "Spindler & Klatt" hat das Nachtleben vor Jahren mit neuen Ideen belebt. An der Spree eröffnete da eine Lounge mit Restaurant inklusive Bettengeschäft, die nachts zum Club wird. Richtig schön dekadent wirkt es, wenn sich in den Liegelandschaften schöne Menschen zu schönen Beats schön amüsieren. Das kam schnell gut an. Der Club entwickelte sich nicht nur während der Berlinale zum Anlaufpunkt für Prominente. Sogar ein von kompromisslosen Bodyguards bewachter George Clooney machte dort Halt.

Das abwechslungsreiche Nightlife-Konzept wurde auch im "Asphalt" von Borchardt-Wirt Roland Mary und Ex-Felix-Manager Daniel Höferlin weiter perfektioniert. Wie es sich für eine trendige, vielseitige Örtlichkeit gehört, sind Bar und Dancefloor längst nicht alles. Restaurant, Raucherlounge und Galerie gehören ebenfalls dazu. Es gibt zudem eine Verbindung zu Michael Michalsky: Der Designer veranstaltete dort eine eigene Partyreihe.

Aussie-Burger und Steaks

Erst vor einigen Tagen ist im Adina Apartment Hotel am Hackeschen Markt die "Alto Bar" eröffnet worden. Die australischen Betreiber möchten, dass sich die Location in Mitte zu einem neuen Treffpunkt entwickelt. Aber rechnen soll es sich natürlich auch. Deshalb hat man einen Mix aus charmantem Straßencafé am Nachmittag, gemütlicher Lounge am Abend inklusive zweistündiger Happy Hour und lebhafter Bar mit Club-Atmosphäre in der Nacht entworfen. So ist die Örtlichkeit rund um die Uhr genutzt.

Barchef Jan Phillipp Bubinger will bei den 80 Cocktails für hohe Qualität sorgen. Neben Klassikern gibt es viele Eigenkreationen. Dazu wird typisches Barfood von Tapas über Aussie-Burger bis zu Steaks serviert. Die musikalische Untermalung in der Bar variiert je nach Tageszeit und Stimmung. Aufgelegt werden Jazz, Soul und House. Eine Mischung, so eigenwillig wie die Barvielfalt in Berlin.