Kleine Entdeckungen

Als Wasser noch im Turm lagerte

Wer Neuköllns trubelige Hermannstraße verlässt und ins Rollbergviertel einbiegt, findet durchaus Ruhe: Straßen mit Kopfsteinpflaster, gesäumt von schönen Altbauten und viel Grün. Und direkt auf dem Rollberg, im spitzen Winkel aus Leykestraße und Mittelweg, steht sogar ein Baudenkmal: Der Neuköllner Wasserturm.

Die Charlottenburger Wasserwerke AG errichtete hier im Jahr 1887 ein Wasserwerk, um Rixdorf zu versorgen. Ein paar Jahre später, von 1893 bis 1894, wurde der Turm nach einem Entwurf des Architekten Otto Techow gebaut.

Der Wasserturm ist 22 Meter breit, die Wände messen unten 1,80 Meter und oben 1,45 Meter. Sie mussten so breit sein, weil sie den schweren Wasserbehälter zu tragen hatten. Der fasste 2440 Kubikmeter. Wer eine gute Kondition hat, kann 212 Treppenstufen bis zum Dach steigen, 40 Meter hoch. Aber man muss erst mal hineinkommen: Der Turm wurde zwar bis 1999 noch gelegentlich zum Druckausgleich genutzt, danach konnte man ihn für Veranstaltungen mieten. Aber heute steht er leer. Die Wasserwerke haben das komplette Gelände an die Pigadi GmbH vermietet. Ein großer Zaun hält Neugierige ab. So bleibt er unerreicht, der stille, mysteriöse Monolith.