Ausflugs-Tipp

Auf den Spuren des Luisenstädtischen Kanals

Auch wenn Berlin derzeit noch sehr kalt ist, gibt es manche Wege mitten in der Stadt, die zu einem lieblichen Spaziergang einladen. Die Strecke entlang des ehemaligen Luisenstädtischen Kanals ist so ein Weg. Der Anmarsch vom Ostbahnhof und über die Schillingbrücke ist wegen des Verkehrs etwas laut, dann wird es aber beschaulicher.

Der Klinkerbau mit dem markanten grünen "R", den man von der Schillingbrücke aus sieht, ist das Radialsystem, ein ehemaliges Pumpwerk, in dem seit 2006 Kulturveranstaltungen stattfinden. Opernsängerin Anette Dasch und Starchoreografin Sascha Waltz gehören zu den Dauergästen auf der Bühne.

An der Köpenicker Straße beginnt dann der Luisenstädtische Kanal. Er verband ab 1852 die Spree mit dem Landwehrkanal. Er war 2,3 Kilometer lang, 22,5 Meter breit und 1,5 Meter tief. Große Bedeutung erlangte er aber nie, und wegen der Geruchsbelästigung wurde er 1926 wieder zugeschüttet. Gartenbaudirektor Erwin Barth gestaltete den Streifen als Grünzug mit Spielplätzen, Terrassen und Brunnen. Die Rinne, in der wir gehen, liegt heute noch auf der Höhe des damaligen Wasserbettes. Während der Teilung Berlins war der Kanal im nördlichen Teil "Todesstreifen". Seit Mitte der 90er-Jahre wird der Bereich schrittweise wiederhergestellt.

Vor uns taucht die evangelische St.-Thomaskirche (1.) auf. Sie war einst die Kirche der mit 150 000 Mitgliedern größten Gemeinde Berlins. Die Mauer zerschnitt die Luisengemeinde, die heute nur noch knapp 2000 Mitglieder zählt. Zum Sammelpunkt links-alternativer 1.-Mai-Demonstranten ist der angrenzende Mariannenplatz in Kreuzberg in den letzten Jahren geworden, das Bethanienhaus, ein ehemaliger Krankenhaus-Komplex, wurde von Hausbesetzer okkupiert.

Über den Bethaniendamm gelangen wir zum Engelbecken (2.) mit der St.-Michael-Kirche. Das Becken wurde Ende der 90er-Jahre ausgehoben und bildet heute einen idyllischen See inmitten der Stadt. Ein Café lädt zum Verweilen ein (Tel. 0157 88 94 70 91, Mo-So 10-24 Uhr). Und links fällt der Blick auf das Baumhaus mit Garten der Familie Kalin, das seit Mauerzeiten hier geduldet wird. Benutzt wird es nur im Sommer. Im Kanalbett stößt man bald auf den Rosengarten, in den Sträuchern zwitschern die Vögel, auf den Bänken sitzen sonnenhungrige Passanten.

Die Waldemarbrücke vor uns war einst als Teil der Grenze zugemauert, heute können wir durch sie hindurchgehen. Am Oranienplatz, wo der ausgebaute Kanal endet, herrscht die Betriebsamkeit Kreuzbergs, bevor es auf dem Grünstreifen am Segitzdamm, über den Wassertorplatz und unter der Hochbahn weitergeht. Altbauten und moderne Fassaden wie der Beginenhof, ein Frauenwohnprojekt, stehen nebeneinander. Am Fraenkelufer mündete der Kanal in den Landwehrkanal. Wir gehen vorbei an dem Nebengebäude der Synagoge (3.), das den Pogrom 1938 und den Krieg überdauerte, und benutzen am "Kreuzberger Zentrum" die U-Bahn.

Länge: 5 km