Mein perfekter Sonntag

Zum Auftanken in den Schlosspark

Er kann es nicht lassen: Auch am Sonntag fährt der Berliner Sänger, Komponist, Schauspieler und Autor Klaus Hoffmann regelmäßig von seiner Kladower Villa aus den 30er-Jahren in die West-City zum Kurfürstendamm in sein Musikproduktions-Büro. Seine neuste CD heißt "Das süße Leben".

In seinem Büro sind viele Ideen für seine Songs entstanden, in denen er auch seine Heimatstadt besingt. "Berlin, deine Häuser mit Fluren, wo man prügelt, wo man lacht. Wo man, wenn's dunkel wird, neue Mitbewohner macht. Deine Räume, in denen der Schlaf ungern kommt, weil die Luft zum Atmen fehlt." Manchmal sei es wie eine Art Hassliebe. "Kaum bin ich weg aus Berlin, will ich wieder zurück. Was mich immer fasziniert hat, ist dieser Überlebenswille der Berliner", sagt Hoffmann.

Auch sonntags geht er ins Büro

Dass er sonntags ins Büro fährt, gehöre nun mal zu seinem Leben, sagt Hoffmann am Schreibtisch in dem gutbürgerlichen Haus mit filmreifer Fassade. "Im Eingangs- und Treppenbereich drehte der Regisseur Theodoros Angelopoulos 2008 Szenen seines Films ,The Dust of Time' mit Bruno Ganz, Willem Dafoe und Michel Piccoli, der bei der Berlinale 2009 zu sehen war", erzählt er und verrät einen seiner Wünsche für das neue Lebensjahr. Am 26. März wird der um etliche Jahre jünger wirkende Sänger 60 Jahre alt. "Ich möchte wieder filmen. Jetzt ist es die richtige Zeit, jetzt muss ich wieder ran", sagt Hoffmann. Und mit wem würde er gerne arbeiten? "Mit Produzent Nico Hofmann, er hat ein sicheres Gespür für gute Themen."

Ihm schwebt eine Rolle vor, "die ich spielen kann, weil sie so widersprüchlich ist, und nicht so glatt und satt". Bei diesen Worten schweift sein Blick zur Wand, wo ein Filmplakat aus dem Jahre 1976 hängt. Es zeigt ihn als jungen Hauptdarsteller in Plenzdorfs "Die Leiden des jungen W." Diese Rolle brachte ihm die Goldene Kamera und den Bambi ein.

Bei Hoffmanns großem Interesse für den Film wundert es nicht, dass er sich unbedingt die Sonderausstellung "Ingmar Bergman. Von Lüge und Wahrheit" im Filmmuseum in Tiergarten ansehen will. Hoffmann drehte 1977 mit dem schwedischen Regisseur "Das Schlangenei". Es sei nur eine kleine Rolle gewesen, "aber die Arbeit mit ihm war ein großes Geschenk in meinem Leben." Die Nachricht von Bergmans Tod vor vier Jahren hörte er im Autoradio. "Ich fuhr durch Charlottenburg und dachte, Mist, jetzt traut sich keiner mehr an solche Themen wie Verklemmung oder Verhinderung von Gefühlen."

Nach der Arbeit im Produktionsbüro will sich Hoffmann bewegen; deshalb zieht es ihn am Sonntagnachmittag in den Charlottenburger Schlosspark an der Schloßstraße. "Hier tanke ich auf. Mein Kiez ist mehr als Nostalgie. Er ist mein Jungbrunnen." Nur wenige Meter entfernt ist er als Kind aufgewachsen, in der Kaiser-Friedrich-Straße 3 a. "Eine Zwei-Zimmer-Wohnung für vier Personen, im 2. Stock. Die Weite des schönen Schlossparks hat mich die Enge dieser dunklen Wohnung vergessen lassen", sagt er. Viel Zeit hat er damals auch in einem Eck-Kino ganz in der Nähe seiner Wohnung, verbracht. "Ich saß immer in der letzten Reihe außen. Leider existiert das kleine Lichtspielhaus inzwischen nicht mehr. Heute gehe ich gerne in die Kurbel an der Charlottenburger Giesebrechtstraße 4, wenn ich Lust auf Kino habe."

Frühstück im Literaturhaus

Wie beginnt für ihn ein gelungener Sonntag? "Beim ausgedehnten Frühstück im Cafe-Restaurant Wintergarten im Literaturhaus an der Fasanenstraße." Dort liest er in aller Ruhe die Sonntagszeitungen und bestellt sein Lieblingsgetränk, einen würzigen Ingwer-Punsch. So wie Klaus Hoffmann jetzt die ruhigen Sonntage liebt, hat er sie als Kind gar nicht gemocht. "Diese Stille, das fand ich total langweilig."

Ruhig wird es auch an seinem 60. Geburtstag bleiben. "Den feiere ich im Grunde gar nicht. Ich wünsche mir Gesundheit, will wieder segeln und reiten", so Hoffmann, der seinen Bekanntheitsgrad nicht der Häufigkeit von Auftritten auf roten Teppichen verdankt, sondern seinen umjubelten Live-Konzerten. So wird er wohl seinen Ehrentag mit Ehefrau Malene und Kater Ferdinand verbringen. Groß gefeiert wird dennoch - auf der Bühne. Am 27. März steigt das Konzert von Hoffmann & Band im Friedrichstadtpalast.

Bereits am 9. März präsentiert Klaus Hoffmann seinen neuen Roman "Phillip und die Frauen" (Verlag Rütten & Loening) um 19 Uhr im Kulturkaufhaus Dussmann. Es geht um einen Künstler, der sich vor seinem 60. Geburtstag bei eine Kuraufenthalt auf der Nordseeinsel Sylt an die Frauen seines Lebens erinnert. Für Hoffmann zählt indessen nur eine Frau - seine. Mit der Fotografin Malene Steger, Hoffmanns Lebensgefährtin seit 30 Jahren, begeht er im August den zehnten Hochzeitstag. Mit ihr an seiner Seite beschließt er den Sonntagabend am liebsten beim Italiener Arcino's Ristorante an der Spandauer Wilhelmstraße 89 , nicht weit vom heimischen Kladow. Nach wie vor ein Geheimtipp in Spandau, im Sommer mit großer Terrasse. "Dorthin lade ich auch gerne mal Freunde ein." Sein engster Freund und Trauzeuge ist Reinhard Mey. Er wird zum Konzert erwartet.

"Berlin ist manchmal wie eine Hassliebe. Kaum bin ich weg, will ich wieder zurück"

Klaus Hoffmann, Liedermacher