Zwölf Stunden

Ein Leben im Luxus

Flink ein Büffet für 300 Gäste und am Pool stets frische Frotteetücher: Das Grand Hyatt zählt zu den besten Hotels der Stadt. Der Aufwand des Personals aber bleibt Besuchern meist verborgen.

08:00: Applaus tönt durch den Keller des Grand Hyatt Berlin. In den Umkleideräumen hat sich die Housekeeping-Truppe um ihren Chef, Antoni Sarnat versammelt. Zimmermädchen Tina ist am Tag zuvor von einem Hotelgast für ihre gute Arbeit gelobt worden. Ihre Kolleginnen klatschen spontan. Tina lacht vor Freude. "So etwas motiviert natürlich", sagt Antoni Sarnat (55). Dann zum Alltagsgeschäft: Wie viele An- und Abreisen gibt es heute, welche Konferenzen stehen an? Was läuft gut, was muss verbessert werden? Die Stimmung ist fröhlich, es wird viel gekichert. Dann schwärmen die Frauen aus, ihre achtstündige Schicht beginnt. Je 14 bis 16 Zimmer-Reinigungen stehen bevor. Heute sind alle 342 Hotelzimmer ausgebucht.

09:00: Fünf Abteilungsleiter versammeln sich wie jeden Morgen im Büro des Hoteldirektors Heddo Siebs. "Informationsaustausch", sagt der 38-Jährige. "So weiß jeder von jedem, was er heute macht und was wichtig ist." Zum Beispiel, welche Veranstaltungen im Haus sind, welche Trainings für Mitarbeiter anstehen oder wo Reparaturen nötig sind.

10:30: Sonnenstrahlen fallen duch die großen Scheiben des Restaurants Mesa auf einen großen Obstteller. Die Küchenchefs der fünf Hyatt-Küchen kosten, was im Hotel auf den Obsttellern landet. Wer könnte es besser testen als die Gourmetköche, darunter die der Restaurants Tizian, Mesa und Vox. "Es ist eine Herausforderung, gutes Obst zu finden", sagt ihr oberster Chef, Küchendirektor Josef Eder (47) und schneidet sich ein Stück von einer Birne ab. "Die hier schmeckt süß und saftig - so muss sie sein." Anschließend besprechen die Männer die Finanzen, Menü-Änderungen und welche Gäste im Haus sind.

11:30: Josef Eder macht seine Runde durch die Küchen. In der Patisserie wird Gebäck fürs morgige Frühstück verziert. Aus der Cateringküche duftet es asiatisch, denn in 45 Minuten gibt es ein Buffet für 300 Gäste. In der Mitarbeiterkantine kommen die Ersten zum Mittagessen. "Ich gucke, ob es allen gut geht", sagt Eder. Es gibt 60 Köche und mindestens so viel Küchenpersonal in den Hyatt-Küchen. Eder kennt alle mit Namen und nimmt sich Zeit für ein kleines Gespräch.

12:00: Muzafer Sacipi vom Housekeeping schiebt im dritten Untergeschoss einen großen Wäschewagen in Richtung Wäscheannahme. Dort wird sie auf Lastwagen der unterirdischen Auslieferungsstelle verladen und zur Wäscherei gebracht. Hier unten lagern auch die Lebensmittel in großen Kühlräumen - heute unter anderem 350 Kilogramm Milchkalbsrücken. Im zweiten Untergeschoss sind Töpfe und Pfannen gestapelt.

12:30: Floristin Regine Röttgen (32) hat einen Kranz für die Kantine mit Pfauenfedern verziert. Ihr Arbeitsplatz ist das Blumenkühlhaus im Hotelkeller. Es riecht nach frisch geschnittenem Grün, in den Regalen lagern Bänder, Scheren, Vasen. Zweimal in der Woche geht sie um 6 Uhr auf den Großmarkt. Wenn die Auswahl noch groß ist.

14:45: Vinka Burkhart (45) kontrolliert, ob alles ordentlich ist. Keine Falte in der Bettwäsche, kein Staub auf dem Flügel, genug Holz für den offenen Kamin? Ab 3500 Euro pro Nacht kostet die Suite. 160 Quadratmeter Luxus. Der Boden ist aus grünem Marmor und schwarzlackierter Mooreiche. In allen Räumen ist zeitgenössische Kunst zu finden. "Für uns bedeutet luxuriöse Einrichtung nicht Plüsch, sondern hochwertige Materialien", sagt Vinka Burkhart. Und dass dem Gast fast jeder Wunsch erfüllt wird. Sean Connery hat hier oben im Essbereich neben der Küche einst seine Gäste bewirtet. Jetzt klingelt Vinka Burkharts Kollege an der Tür. Die Auswahl der Chopin-Noten auf dem Flügel wird auf Wunsch des nächsten Gastes erweitert.

15:00: Nur einige Räume entfernt bereitet Zimmermädchen Corinna Leitel (44) ein Standard-Doppelzimmer vor. Sie reinigt den Winkel jeder Schreibtisch-Schublade, blickt mit schiefem Kopf über die Glastischplatte, auf der Suche nach einem letzten Staubkorn. Dann putzt sie einen Lampenschirm von innen und poliert die Armaturen im Bad. Viel Arbeit in kurzer Zeit. Aber manchmal gibt es auch erheiternde Momente. "Manche Erwachsene haben Stofftiere dabei. Einmal hat jemand seine Diddlmaus vergessen, ein anderer hatte einen Mickymaus-Schlafanzug." Darüber würde sie sich nie lustig machen. "Im Gegenteil, ich finde es sehr sympathisch."

15:25: Hoteldirektor Heddo Siebs eilt mit dem Notebook in der Hand durch die Lobby. Einmal im Monat findet ein Mitarbeiter-Training statt. Heute geht es um den Umgang mit Gästeanregungen und -beschwerden. "Wir wollen zeigen, dass wir auch schwierige Probleme bewältigen können", sagt er. Einmal am Tag nimmt er sich in der Lobby Zeit für die Gäste. Er fängt morgens um 7 Uhr an und arbeitet bis in den Abend. "Den Tag verbringe ich zur Hälfte in meinem Büro. In der verbleibenden Zeit begutachte ich den gesamten Zustand des Hotels, spreche mit Personal und Gästen."

17:00: "Ich bin der erste und der letzte Kontakt, den unsere Gäste haben", sagt Jens Paschke, der Doorman. Der 44-Jährige steht seit fünf Jahren am Haupteingang . Bei Wind und Wetter. Er öffnet Autotüren, verlädt Gepäck und zeigt Gästen den Weg. Immer freundlich, auch wenn es mal stressig wird. "Klar, wenn es 260 Abreisen und 170 Anreisen an einem Tag sind, dann ist das anstrengend." Die Taxis hat er immer im Auge. "Es müssen immer genug da sein." Wer ihn beobachtet, entdeckt schnell, dass Jens Paschke ein Meister seines Fachs ist und seine Arbeit richtig gern macht. Er versorgt und begleitet die Gäste, ist schnell, zuvorkommend und aufmerksam. "Ich bin das Informationsbüro vor der Tür", sagt er lachend. Zum Beispiel kennt er die Öffnungszeiten der Museen in Mitte auswendig. Er reicht Gästen Regenschirme, wenn es nach Niederschlägen aussieht, und Getränke, wenn es heiß ist. "Viele Stammgäste kenne ich schon von vielen Besuchen. Da freut man sich, sie wiederzusehen."

18:45: Vor der Küche des Tizian fragt ein älterer Gast einen der Köche, welche Fischsorten es heute gebe. "Wir haben Wolfsbarsch, Seeteufel und Zander. Nichts was Ihre Frau isst. Sie isst Heilbutt oder Meeresche." Ein guter Koch weiß so etwas. Der Gast bestellt und nimmt bald darauf ein Gefäß mit dem Abendessen mit auf sein Zimmer.

19:30: Während Azubin Carolin Birk (19) im Spa auf dem Dach des Hotels neue Frotteehandtücher verteilt, macht Küchendirektor Eder einen Rundgang entlang des gerade aufgebauten Buffets, das für eine Abendveranstaltung in der ersten Etage zusammengestellt wurde. "Ich schaue, ob alles appetitlich und bunt hergerichtet ist", sagt er. "Liegt beim Sushi eine Zange? Wie weit ist das Dessert?" Trotz des langen Tages ist noch nicht Feierabend: "Wir bleiben bis zum Schluss. Das macht man so, wenn man in einem echten Team ist."