Film: Looking for Eric

Training gegen den Frust

Der Postbeamte Eric (Steve Evets), dem Frust, Trauer und Lebensüberdruss ins dürre Gesicht geschrieben sind, fährt im Auto Runde um Runde in einem Kreisverkehr in Manchester. Natürlich gegen die Fahrtrichtung. Was will uns das sagen? Da dreht einer durch. Findet keinen Ausweg mehr. Befindet sich in einem Teufelskreis.

Man müsste eigentlich sofort die rote Karte zücken angesichts dieser offensichtlichen Metaphern-Schwalbe. Tut man als Zuschauer aber nicht, weil dies der Anfang eines neuen Ken-Loach-Films ist. Da drückt man beide Augen zu - weil Loach, der englische Serienmeister des authentischen Gefühlskinos mit gesellschaftskritischem Hintergrund, eine Komödie vorlegt.

Eine Arbeiter-Fantasy-Tragikomödie, die in erster Linie unterhalten und nur am Rande - dann aber aufs Skurrilste - belehren will; die aber dennoch die bittere Realität nicht aus den Augen verliert. Da bleiben sich Loach und sein Drehbuch-Alter-Ego Paul Laverty treu.

Es gibt am Anfang von "Looking for Eric" einige wundervolle Szenen, in denen Loach und Laverty ihre Mechanismen offen legen. Es geht um die Frage, wie man den Postmann wieder aufrichten kann - Eric wurde von seiner Frau verlassen, kommt mit seinen halbkriminellen Stiefsöhnen nicht zurecht und trauert seiner ersten großen Liebe nach.

Die Antwort ist einfach, und sie wird vom pfundigen Arbeitskollegen Meatballs (John Henshaw) gegeben, der in einem Ratgeber nachgeschaut hat: Mit Lachen und Imagination. Wenn dann eine Gruppe von englischen Arbeiter-Klötzen sich aus Solidarität mit dem Freund vorstellen, sie seien Sammy Davis Jr., Nelson Mandela oder Fidel Castro - dann wird der Kinogänger auch mittherapiert.

Was ein guter Köder ist, um den Clou von "Looking for Eric" zu schlucken. Dem Postboten von der traurigen Gestalt erscheint im Haschisch-Rausch sein großes Vorbild. Eric Cantona, der Ex-Stürmer-Star von Manchester United. Ähnlich wie Bogart in Woody Allens "Mach's noch einmal, Sam" gibt das Idol dem Fan Tipps zur Lebensbewältigung. Die Folgen werden von Loach sehr schön eingefangen. Während sich die Annäherung zwischen dem Postmann und seiner alten Liebe (Stephanie Bishop) aufs Zarteste vollzieht, wird bei den Stiefsöhnen das Schmerzhafte nicht ausgespart. Das macht das größte Problem an "Looking for Eric" erträglicher: Die holzschnittartigen Fußball-Weisheiten, die der - brauchbar schauspielernde Cantona - abzusondern hat.

Tragikomödie: GB/F, 116 Min., von Ken Loach, mit Steve Evets, Eric Cantona, John Henshaw, Stephanie Bishop

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