Berlin genießen

Liebesgrüße aus der Küche

Die Liebe ist ja eigentlich ein recht schönes Gefühl. Aber Liebe kann manchmal auch ganz schön anstrengend sein. Mal abgesehen von den guten und schlechten Zeiten. Daneben gibt es noch Termine, die die Partner auf keinen Fall vergessen sollten.

Als neueste Errungenschaft des jährlichen Paar-Terminplans gilt der kürzlich initiierte "Weltknuddeltag", den wir am 21. Januar mit einigen Extra-Umarmungen hinter uns gebracht haben. Doch schon naht der wichtigste Tag für Verliebte: der Valentinstag. Manche lästern, er sei eine Erfindung von Floristen und der Parfümindustrie. Aber wehe, Freund, Freundin, Gattin oder Gattin vergessen den 14. Februar. Unausgesprochen schwebt dann eine stille Anklage im Raum.

Dass Liebe durch den Magen geht, ist einen Binsenweisheit. Aber dass Köche, so wie einst Klavierspieler, die neuen Lieblinge der Frauenwelt sind, muss wohl dem Zauber innewohnen, der von ihren Speisen ausgeht. Wie es ihnen gelingt, mit kulinarischen Künsten die Herzen der Frauen zu erobern, verraten drei Berliner Küchenchefs: ein deutscher, ein französischer und ein italienischer.

Zarte Annäherung im Bieberbau

"Manchmal vergisst man in der Hektik des Alltags, seinem Partner zu erklären, wie sehr man ihn liebt", sagt Stephan Garkisch vom romantischen Restaurant Bieberbau in Wilmersdorf. "Da kann man am Valentinstag mit etwas kulinarischer Fantasie durchaus punkten und einiges wieder ins Lot bringen", sagt seine Frau Anne, die im Restaurant für die Weine verantwortlich ist.

Als Amuse Bouche serviert Stephan Garkisch Ziegenkäsewürfel auf einem Himbeer-Esspapier mit einem Tropfen Feldsalatcrème und einen Ziegenkäsespieß mit Rosengelee. "Ein guter, animierender Start mit der leichten Würze des Käses und den fruchtig-blumigen Aromen von Himbeere und Rose", erklärt Stephan Garkisch seine leichte Kreation. Dazu schenkt seine Frau, eine gelernte Sommelière, einen prickelnden Rosé-Winzersekt vom Weingut Baumann aus Württemberg ein. Sie schwärmt von der "edlen Lachsfarbe, dezenten Süße und einem frischen Aroma von Waldfrüchten". Genau das Richtige, um einen sinnlichen Abend zu beginnen. Das Ambiente ihres Restaurants bietet für ein romantisches Essen genau den richtigen Rahmen: Es ist der einstige Schauraum eines Stuckateurmeisters der Gründerzeit.

Laurent Fayet hat am 1. Februar die Position des Chefkochs im Le Faubourg an der Augsburger Straße übernommen. Im Erdgeschoss des Hotels Concorde will er seine Gäste mit einer zukunftweisenden Nachhaltigkeits-Küche begeistern. Das Fünf-Sterne-Superior Haus ist das deutschlandweit erste Nobelhotel, das mit dem Green Globe für Nachhaltigkeit zertifiziert wurde.

Den Valentinstag kennt Laurent Fayet seit vielen Jahren. Auch er schenkt, wie die meisten Männer, Blumen. Um die Herkunft zu erforschen, recherchierte er jüngst im Internet. Nun berichtet er, dass in Großbritannien bereits seit dem 15. Jahrhundert Liebespaare am Valentinstag Blumen und Gedichte austauschen. Möglicherweise liegt der Ursprung des Datums für den Tag der Verliebten beim Fest der "Ankunft Jesu als Bräutigam zur himmlischen Hochzeit", den der Kirchenkalender auf den 14. Februar terminiert. Anfang des 20. Jahrhunderts erlebte der Valentinstag in Nordamerika einen großen Popularitätsschub. Mittlerweile wird er weltweit begangen. Den Handel freut das natürlich. Sogar in China wird das Liebesfest immer beliebter.

"L'amour ist die Spezialität der Franzosen", erklärt der 34-jährige Fayet. Und die gehobene Küche sowieso. Zum Valentinstag bereitet er ein Entrée aus gebratenen Jakobsmuscheln, Rote-Bete-Püree und Kräutersalat mit Himbeer-Vinaigrette. Als Wein nimmt er dazu einen beschwingten 2009 Sancerre rosé aus seiner Heimatregion, vom Weingut Thomas. "Meeresfrüchte mir ihrer bekannten, aphrodisierenden Wirkung werden durch die Kombination mit der Roten Bete geerdet. Dazu die frischen Blüten von Hyazinthe, Veilchen, Stiefmütterchen und Gänseblümchen mit Friseesalat, Rucola, Kerbel und Dill: Das ist leicht und hat Schwung", erklärt der Chef, der aus der Region Loire stammt und vor allem eines liebt: die modern interpretierte, klassische französische Küche.

Das Gastronomenpaar Anne und Stephan Garkisch hat sich vor zwölf Jahren kennen und lieben gelernt. Ganz standesgemäß bei einem Spargelessen im Freundeskreis. "Es gibt kaum etwas Sinnlicheres als ein Candle-Light-Dinner, um sich auf einen besonderen Abend einzustimmen", sagt Stephan Garkisch.

Als Hauptgang genießt er mit Frau Anne am nun bevorstehenden Valentinstag gebratene Brust von der Wildtaube mit rotem und gelbem Chicorée. Die leichte Bitternote des Chicorée neben dem schmackhaften Wildgeflügelfleisch erinnert daran, dass es in der Liebe gelegentlich auch graue Wolken am Himmel gibt, die nur langsam davonziehen. Vertrieben werden sie von den Gewürzen. Diese sorgen mit dezenter Schärfe von Pfeffer und Ingwer für eine passende Note zum Valentinstag. Als Weinbegleitung wählt Anne Garkisch einen robusten Spätburgunder vom Pfälzer Weingut Knipser. Der schmeckt wunderbar beerig und zeichnet sich durch angenehme Holznoten aus.

Bruno Pellegrinis Liebes-Dessert

Man solle immer daran denken, dass der Mensch erntet, was er sät, lautet das Credo von Bruno Pellegrini aus dem kürzlich renovierten und auch kulinarisch verjüngten Charlottenburger Ristorante Ana e Bruno. Zum Valentinstag serviert er seiner Frau Alexandra eine süße Liebeserklärung auf Italienisch: Ricotta-Soufflé mit Birnen-Minz-Sauce und Himbeeren. Die Gründe für den leichten, süßen Abschluss bringt Signore Pellegrini vor, wie es nur ein Italiener kann. "Ich wollte Alexandra durch diese einzigartige Kreation überraschen und sie mit einem leichten Genussdessert und seinen feinen Zutaten verwöhnen. Das soll ihr sagen, dass sie ein Geschenk des Himmels ist."

Sein Ricotta-Soufflé wird begleitet von einem köstlichen Cuvée Imperiale Vintage 2002 von Guido Berlucchi aus der Lombardei. "Alles zusammen ist das eine Ode an die Erde und an die Liebe", sagt Alexandra Pellegrini ganz begeistert. So gut vorbereitet kann am Valentinstag und während der darauf folgenden Monate in der Partnerschaft eigentlich nichts mehr schief gehen.