Best Of Berlin

Knistern gehört zum Geschäft

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Klassische Vinyl-Schallplatten sind gefragt: Kenner schätzen ihren warmen Klang, DJs lassen sie auf den Tellern rotieren. Bei diesen zehn Adressen werden Fans und Sammler fündig

Schöneberg: Die kultigen Platten-Dealer

1. Es war im Jahr 1983, als Volker Quandte und Ina Rüberg begannen, die angemieteten 40 Quadratmeter zu bestücken. New Order brachten Blue Monday heraus, R.E.M. ihr erstes Album und die beiden besorgten immer die neuesten Singles und Alben aus UK und USA. Nach und nach erweiterten sie ihr Repertoire. Zwei Drittel werden heute wieder als Vinyl verkauft. Man hat neben Neuheiten auch die wichtigsten Klassiker aus den letzten 50 Jahren auf Lager. Mr. Dead & Mrs. Free hieß übrigens ein 1981 vom New Yorker Squat Theatre aufgeführtes Performance-Stück mit Musik von den Talking Heads, von Material, Nico und anderen Künstlern.

Mr. Dead and Mrs. Free Bülowstr. 5, Schöneberg, U 1, 2, 3, Nollendorfplatz, Mo.-Fr. 11-19, Sbd. 11-16 Uhr, Tel. 215 14 49, www.deadandfree.com

Friedrichshain: Musik und Streetware-Klamotten

2. HHV, das steht für HipHop Vinyl und zeigt schon, um welche Musik es in dem stylischen Laden geht. Neben HipHop dreht sich alles um Black Music, Soul und Funk. Doch HHV beschränkt sich nicht auf den Verkauf eines gut sortierten Tonträger-Sortiments, sondern handelt auch mit exklusiven Streetwear-Klamotten und Sneakers sowie mit hochwertigem DJ-Zubehör. Wer es sich bequem machen möchte, ordert im Internet und holt die Bestellung am nächsten Tag im Laden ab.

HHV Selected Store Revaler Str. 9, Friedrichshain, U1, S9 Warschauer Straße, Mo.-Sbd. 12-20 Uhr, Tel. 66 30 98 03, www.hhv.de

Neukölln: Die Soul- und Funk-Spezialisten

3. Der Name ist Programm, hier wird mit Soul gehandelt. Aber auch Freunde von Funk, Reggae, NUJazz, Jazzfunk, Rock, HipHop und R'n'B kommen bei der großen Auswahl neuer und gebrauchter Platten bei Soultrade auf ihre Kosten. Natürlich kann man in die Musik reinhören und wer sich nicht ganz schlüssig ist, kann sich in dem nun schon alteingesessenen Laden von Plattendealern mit Ahnung beraten lassen. Oder stöbert zuvor im Online-Shop. Nicht umsonst zählen viele Sammler und DJs zu den Kunden.

Soultrade Sanderstr. 29, Neukölln, U8 Schönleinstraße, Mo., Mi. 11-19, Di., Do., Fr. 11-20, Sbd. 12-18 Uhr, Tel. 694 52 57, www.soultrade.de

Prenzlauer Berg: Für die Freunde harter Töne

4. Wer auf Punk, Metal, Garage, Hardcore, Rock'n'Roll oder HipHop steht, hat hier sein Musik-Eldorado gefunden. Im Angebot sind CDs, LPs und zahlreiche 7-Inch-Scheiben, allerlei Importiertes, aber auch reichlich Second-Hand-Ware. Dazu gibt es T-Shirts, Merchandise-Produkte, Tonträgerzubehör und auch das Ticket zum Konzert kann man hier käuflich erwerben. Und der eine oder andere Live-Gig fand auch schon im legendären Laden statt, zum Beispiel im Rahmen der Berliner Plattenladenwoche.

Vopo Records Danziger Str. 31, Prenzlauer Berg, U2 Eberswalder Straße, Mo.-Fr. 12-20, Sbd. 12-16 Uhr, Tel. 442 80 04, www.vopo-records.de

Wilmersdorf: Klassik zum Kaffee

5. In dem schnuckeligen Laden, Café und Plattengeschäft zugleich, wird nicht nur die Renaissance der Schallplatte gefeiert und mit Vinyl gehandelt, sondern auch die Kultur des Plattenhörens gepflegt. Der Laden von Wolf Zube gilt als Wallfahrtsort für Liebhaber des Klassik-Vinyls aus der ganzen Welt. Der Tonarm senkt sich auf die Scheibe und bei einem guten Kaffee und einem Stück Kuchen kann der Besucher sich im gemütlichen 60er-Jahre-Ambiente entspannt zurücklehnen, um zuzuhören. Nur die wenigsten Gäste kommen gezielt zum Musikkaufen, nehmen dann aber umso lieber einen Tonträger mit.

Horenstein Fechner Str. 3, Wilmersdorf, U7 Blissestraße, Mi.-Fr. 13-19 Uhr, Sbd. 11-18 Uhr, Tel. 86 39 68 97, www.horenstein.de

Kreuzberg: Die Institution für Elektroniker

6. Als einer der weltweit führenden Plattenläden für elektronische Musik gilt diese Berliner Plattenladen-Institution in einer typischen Hinterhof-Etage. Hier rotieren Electronic, Dubstep, House, Dance, Minimal und Techno auf den Plattentellern. Kaum ein lokaler DJ, der sich hier nicht schon mit Platten eingedeckt und sich im Laden verewigt hätte. Neben Neuerscheinungen sind nach wie vor auch House-Klassiker aus Detroit oder Chicago gefragt und wer nicht weiß, was er gerade hören will, folge den Empfehlungen der plattenkundigen Händler.

Hard Wax Paul-Lincke-Ufer 44 a, Kreuzberg, U1, U8, Kottbusser Tor, Mo.-Sbd. 12-20 Uhr, Tel. 61 13 01 11, hardwax.com

Charlottenburg: Alte Platten in neuer Location

7. Die Rock-Steady-Crew hat es von Schöneberg nach Charlottenburg gezogen. Ihre Bestände von Musik fast aller Genres hat sie selbstverständlich mitgenommen. Immerhin wird mit 10 000 LPs, 4000 Twelve-Inch-Singles and 10 000 Seven-Inch-Singles sowie mit 5000 CDs und 5000 CD-Singles gehandelt. Dabei sind die 50er-Jahre ebenso vertreten wie die 2000er. Es gibt Pop, Punk, Wave, Dance, Elektronik, Klassik und Jazz. Dabei treffen fast täglich neue Angebote ein. Gelegentlich gibt es einen "Special Sale" mit kleinen Preisen.

Rock Steady Records Zillestr. 74 + 76, Charlottenburg, U2, U7, Bismarckstraße, Mo.-Fr. 11-19 Uhr, Sbd. 10-16 Uhr, Tel. 217 27 20, www.rocksteadyrecords.de

Spandau: Das letzte Musikland

8. Einst gab es mehrere Musiclands an der Spree, doch nur das in Spandau hat sich gehalten - wie eh und je mit viel Wissen und Enthusiasmus von Ralf Jürgen Rachner geführt. Es wird gemunkelt, schon der junge Bela B. von den Ärzten habe hier seinen Musikgeschmack ausgebildet. Auch viele andere, ältere Semester, die in den 70er-Jahren dort ihre ersten Platten kauften, bleiben dem Musicland treu und holen gerne Nachschub. Das Sortiment ist nach wie vor umfangreich und wer musikalisch nicht mehr ganz auf der Höhe ist, kann gerne den zuverlässigen Empfehlungen folgen.

Musicland Klosterstr. 12, Spandau, U7 Rathaus Spandau, Mo.-Fr. 10-20, Sbd. 10-16 Uhr, Tel. 332 20 72, www.musicland-berlin.de

Steglitz: Schallplatten des Südens

9. Seit elf Jahren besteht nun schon der kompetente Tonträgerhandel Shubashi und versorgt die Südberliner zuverlässig mit Vinyl, CDs, DVDs, Videos, Musikzeitschriften und Büchern. Man versucht, alles zu besorgen und hilft weiter, wenn man Titel oder Interpret nicht kennt. Pünktlich zum Jubiläum wurde einer der beiden "Vinyl-Räume" für deutsche Interpreten, Jazz und Black Music ordentlich aufpoliert. Wo der ungewöhnliche Name des Shops herstammt? Er wurde der Kultserie "Raumpatrouille Orion" aus den 60er-Jahren entlehnt.

Shubashi Hubertusstr. 7, Steglitz, U9 Schloßstraße, Mo.-Fr. 11-19, Sbd. 10-16 Uhr, Tel. 79 74 13 50, www.shubashi.de