Kleine Entdeckungen

Vom Schutzbunker zum Denkmal

Grau und düster hebt er sich kaum ab vom Berliner Winterhimmel und erinnert an die Zeit in der Geschichte, die nicht minder dunkel war: der Hochbunker an der Pallasstraße in Schöneberg. Den vierstöckigen Betonklotz haben sowjetische Zwangsarbeiter zwischen 1943 und 1945 errichtet.

Er zählt zu einem von rund 22 Schutzbunkern, die es in Berlin noch gibt. Seit Mitte der 1950er-Jahre scheiden sich die Geister an dem Gebäude. Dennoch hat er Verwahrlosung, Schmierattacken, Anträge zur Sprengung beziehungsweise den Ausbau für Zivilschutzzwecke während des Kalten Krieges überlebt. Als 1994 ehemalige ukrainische Internierte den Bunker besuchten, wurde er nach und nach für Führungen und Veranstaltungen geöffnet. Seit 1995 steht er am "Tag des offenen Denkmals" jedes Jahr wieder im Licht der interessierten Öffentlichkeit. Schülerprojekte der Sophie-Scholl-Schule haben ihn Anfang 2000 zum "Ort der Erinnerung" gemacht. Im Januar dieses Jahres nun wurde er durch die Obere Denkmalschutzbehörde zum Denkmal deklariert. Der Bezirk wird in einer speziellen Kommission über die weitere Nutzung entscheiden. Warum nicht ein Mahnmal gegen Krieg mit kulturellen Veranstaltungen? Lebendige Erinnerung im grauen Betonklotz.