Mein perfekter Sonntag

Ein Paradies namens Gatow

Ob Prominenten-Partys, Filmpremieren, Bälle oder festliche Galas: Ulli Zelle vom RBB, Berlins bekanntester TV-Reporter, ist mit dem Mikrofon stets "mittendrin". Er liebt seinen Beruf über alles, freut sich über jede Begegnungen mit interessanten Gästen aus aller Welt am roten Teppich - doch am Sonntag ist er am glücklichsten, wenn er bei seiner Familie sein, oder sich im Keller seines gemütlichen Hauses in Gatow am Schlagzeug musikalisch austoben kann. "Die Musik ist für mich die beste Entspannung zum Reporter-Dasein", sagt Ulli Zelle, der auch als Sänger der Band Ulli & Die Grauen Zellen Furore macht. "Am liebsten wäre ich ja Schlagzeuger und Sänger, aber beides geht nicht", bedauert der begeisterte Hobby-Musiker. Das nächste Konzert der Band, die Soul- und Rocksongs der 60er und 70er Jahre präsentiert, ist am 4. Februar um 21 Uhr im Rickenbachers Music Inn an der Wilmersdorfer Bundesallee 194 b.

Bekennender Rolling-Stones-Fan

Verständlich, dass für den Rolling-Stones-Fan das persönliche Zusammentreffen mit allem vier Stones-Musikern anlässlich der Berliner Filmfestspiele 2008 zu seinen beruflichen Sternstunden zählt. "Bei der diesjährigen Berlinale hoffe ich auf ein Treffen mit Madonna, wenngleich mein Interview mit Traumfrau Angelina Jolie kaum noch zu toppen ist", resümiert Ulli Zelle bei einer Tasse Kaffee und frischen Brötchen. Ehrensache, dass er sie jeden Sonntagmorgen für die vierköpfige Familie vom Bäcker nahe der Gatower Windmühle an der Buchwaldzeile holt und sich dabei gleich ein wenig an der frischen Luft bewegt. Daheim, in dem gelben Haus mit den grünen Fensterläden am liebevoll gedeckten Frühstückstisch mit seiner griechischen Frau, der promovierten Politologin Niki Sarantidou, und den Söhnen Maximilian (7) und Constantin (3) sind alle Stars und Sternchen vergessen. "Die Provinz hier draußen in der Natur ist mein Ausgleich zur hektischen Innenstadt. Hier in Gatow findet das ganz normale Leben statt", betont Ulli Zelle.

1972 kam er zum ersten Mal nach Berlin. "Ich hatte viel gehört und war natürlich sehr neugierig, habe mir die damals noch geteilte Stadt intensiv erschlossen. Von Frohnau bis Lichtenrade, von Neukölln bis nach Zehlendorf", erinnert er sich. Er habe sich "hochgearbeitet" von der "Einzimmerwohnung mit Außenklo" in Kreuzberg (Muskauer Straße) über Moabit (Emdener Straße) und Wilmersdorf (Prinzregentenstraße) bis zur Altbauwohnung in der Charlottenburger Sybelstraße. Von dort aus sind es nur wenige Ecken bis zu seinem Lieblingsrestaurant, dem Gasthaus Lentz am Stuttgarter Platz. Auf seinem Stammplatz mit den blauen Kissen draußen am Eingang nimmt Ulli Zelle nicht nur regelmäßig seinen Absacker nach großen Empfängen. Hier hat er vor zwölf Jahren auch seine attraktive, 18 Jahre jüngere Frau kennen gelernt. "Wir stellten fest, dass wir im niedersächsischen Schaumburg nur sieben Kilometer voneinander entfernt gelebt hatten und auch hier in Berlin wohnte sie damals nur 500 Meter von meinem Haus entfernt." Ein Jahr später wurde auf dem Charlottenburger Standesamt geheiratet. Vor fünf Jahren zog das Paar mit Sohn Maximilian in das idyllische Gatow. Ex-Hertha-SpielerAndreas Schmidt wohnt nebenan. Fußballspielen steht auch für den siebenjährigen Maximilian an, wenn er mit Papa nach dem Frühstück am Sonntagvormittag auf den nur wenige Meter entfernten Sportplatz neben der Schule in der Straße "Am Kinderdorf" kickt.

Spaziergang zur Windmühle

Am Sonntagnachmittag macht die ganze Familie mit Vorliebe einen Spaziergang zur alten Gatower Windmühle (steht unter Denkmalschutz) und zum Gutshof Gatow an der Buchwaldzeile. Zu den Lieblingsbeschäftigungen zählt auch der Besuch auf dem Vierfelderhof mit Bauer Bathe an der Straße 264. Hier kann man Ziegen und Häschen streicheln, im Hofladen frische Waren vom Feld (Obst, Kartoffeln, Marmelade, Säfte) kaufen oder im Hofcafé auf rustikalen Holzbänken bei Kaffee, Tee oder Kakao entspannen. Und nicht zu vergessen - auf dem blauen Traktor mit den großen roten Rädern darf auch mal geklettert werden. Ein Paradies für Klein und Groß. Eine weitere Lieblingsbeschäftigung der Familie am Sonntag bei schönem Wetter: Ein Ausflug zum Kinderbauernhof Storchenhof an der Werderdammstraße 12 in Paretz (Havelland), nur 20 Kilometer von Potsdam entfernt.

Der ideale Abschluss am Sonntagabend ist für Ulli Zelle ("Sofern kein Termin ansteht") gemütlich im Wohnzimmer "Tatort" gucken. "Da um diese Zeit meist aber auch die Kinder ins Bett gebracht und Geschichten vorgelesen werden, kriege ich so manchen Mord zunächst manchmal gar nicht mit", lacht der liebevolle Vater.

Seine Tatort-Ermittler-Favoriten sind Axel Prahl und Jan Josef Liefers. Außerdem schlägt sein Herz für das Berliner Tatort-Duo Dominic Raacke und Boris Aljinovic. Ulli Zelle: "Da rate ich immer mit, wo und in welcher Gegend Berlins wohl die Aufnahmen stattgefunden haben. Das macht einen Riesenspaß."

Könnte sich der RBB-Reporter und Musiker vorstellen, woanders zu leben? "Nein. Ich bin zwar öfter zu Besuch in Niedersachsen, wo mein Elternhaus steht, aber leben möchte ich nur hier in der Hauptstadt. Berlin ist für mich die ganze Welt in einer Stadt."

"Berlin ist für mich die ganze Welt in einer Stadt"

Ulli Zelle, TV-Reporter