Berlin genießen

Klassische Küche mit Klasse

Wie die meisten Plätze und Straßen der City befindet sich auch der vitale Kudamm in stetem Wandel: Immer wieder gibt es neue Geschäfte, neue Hotels oder Restaurants. Wechsel heißt Abwechslung, aber auch der Verlust von Gewohntem, Vertrautem und - sich auf Neues einzulassen, was gerade in der Gastronomie auch mit gewissen Risiken verbunden ist.

Wer da auf Nummer Sicher gehen will, ist im "Kempinski Grill" goldrichtig. Diese gastronomische Institution gibt es so ähnlich wie heute bereit seit 1952, als das Luxus-Hotel Kempinski Bristol eröffnete. Da war Frank Hokamp zwar noch nicht geboren, doch der heutige Küchenchef des "Kempi Grill" ist der exzellente Bewahrer des hohen Anspruchs an eine exquisite Küchenleistung. Immerhin schon seit zehn Jahren - was für einen Berliner Küchenchef in Berlin eine halbe Ewigkeit ist - sorgt der gebürtige Ostwestfalen im Restaurant, in dem einst schon Albert Einstein und Alfred Hitchcock speisten, für Genuss auf hohem Niveau.

Hokamp weiß, was seine Gäste wünschen, und auch, was die Morgenpost-Leser mögen. Schon zwei Mal war das Morgenpost Menü - vor zwei und vier Jahren - zu Gast im Kempinski Grill.

Noch immer kocht Hokamp im besten Sinne seinen eigenen Stil, ohne Schnickschnack, Schäumchen oder Elemente der Molekularküche. Der Chefkoch huldigt der klassischen französischen Küche, aus der auch Sahne und Butter als wunderbare Geschmacksträger der edlen Produkte nicht verbannt sind.

Die Vorspeise ist ein Meisterwerk

Seine Gerichte sind präzise und in ihrer jeweiligen Kombination gelungen zubereitet - und mitunter kleine kulinarische Kunstwerke, wie etwa die Vorspeise mit der Trilogie von der Wachtel. Das ist aufwendig und zugleich abwechslungsreich zubereitet und sieht auch noch animierend aus. "Die feinsäuerliche Sülze im Glas wurde im Stil eines klassischen Gänse-Süß-Sauer angerichtet", verrät der Küchenchef. Die anderen Mitspieler auf dem Teller sind eine Pastete mit Cranberries sowie eine pochierte Wachtelkeule im Frischkäsemantel mit Cranberriesaft und in Pumpernickel gewälzt.

Drei der fünf begleitenden Weine kommen vom quasi hauseigenen Weingut Kempinskis, Schloss Reinhartshausen, zwei Gänge werden von Weinen vom Gut Dr. Heger begleitet. Zur Wachtel gibt es einen animierenden 2009er Gutsriesling von Reinhartshausen, der mit seiner feinen Säure wunderbar mit dem Geflügel harmoniert; gelbe Früchte, ein Hauch von Cassis und Aprikose machen den Gang zum genussvollen Ereignis.

Legendär sind Hokamps Suppen und Bouillons, die er mit Vorliebe in der Löwenkopfterrine servieren lässt. Natürlich gibt es auch seine fruchtig-aromatische Schaumsuppe von Curry und Ananas im der Mini-Töpfchen und dazu einen Lamm-Salbei-Stick zum Dippen als herzhaften Kontrast. Ein 2009er Weißburgunder Kabinett von Heger mit duftiger Frucht nach frischer Zitronenschale und grünem Apfel ergänzt den Suppengang.

Ein heimischer Fisch spielt beim Zwischengang die Hauptrolle: das Zander-Ragout in Langostinosauce mit Fenchel und gratinierter Hollandaise wird von einem 2009er Grauburgunder von Schloss Reinhartshausen begleitet.

Wer sich gefragt hat, warum das Restaurant "Kempinski Grill" heißt, bekommt spätestens beim Hauptgang die kulinarische Antwort. Denn das butterzarte Kalbsmedaillon mit Safranspinat und im Rote-Bete-Saft gegarten Kartoffeln kommt direkt vom Lavasteingrill, was dem Fleisch wunderbare Röstaromen verleiht. Zu diesem herzhaften Gang gibt es einen im Barrique gereiften 2007er Spätburgunder von Heger mit dem Duft nach Wildkirschen, roten Johannisbeeren, Schlehen und vielschichtigen Gewürzen.

Der Nachtisch ist ein Klassiker: ein Parfait von Haselnuss und Nugat mit in Kirschgeist glasierten Schattenmorellen. Zu diesem schmelzig-kühlem Dessert wird von Maitre Dirk Hoffmann eine 2007er Riesling Spätlese von Schloss Reinhartshausen serviert.