Kurzfilm & Doku

"Kreuzkölln"

Kreuzkölln ist in. Ein Kurzfilm und ein Dokumentarfilm schmücken sich nun mit dem trendigen Titel "Kreuzkölln". Das ist zwar geschummelt, denn Drehort war nur Kreuzberg, aber nicht so schlimm, da sowohl der Kurzfilm "Moruk" als auch die Dokumentation "24 Stunden Schlesisches Tor" das Flair einfangen, das beide Kieze verbindet.

"Moruk" erzählt vom Müßiggang an einem Sommertag. Zwei junge Türken hängen auf der Straße ab, vertreiben sich die Zeit mit Witzen, sind frustriert, weil sie dauernd mit Dealern verwechselt werden, kleben am Handy und erziehen die Kleinen, die schon auf Gangster machen wollen. Sedal Karacas Milieustudie ist mit Oktay Özdemir ("Knallhart") und Klara Reinacher ("Prinzessinnenbad") optimal besetzt und geht das oft so bleischwere Thema Migration mit spielerischer Lässigkeit an.

Die dffb-Studentinnen Anna de Paoli und Eva Lia Reinegger haben für ihre Doku über das Schlesische Tor Passanten auf der Straße nach ihrem Leben oder einfach nach dem Augenblick befragt. Da gibt es originelle Momente, etwa wenn ein Müllmann von seiner Leidenschaft für Schlittenhunde erzählt, nachdenkliche, wenn ein Afrikaner die Armut im Wohlstandsland Deutschland analysiert, vor allem aber sehr viel Paradigmen wie Karma-Yoga-euphorische Barkeeper, Obdachlose, die auf die "Orientalen" schimpfen, und Zugezogene, die abgedroschene Phrasen über das "kreative, vibrierende Berlin" dreschen. Auch wenn der Film nichts macht, als eine Stunde lang Kurzinterviews aneinander zu reihen, ist er ein lebendiges Porträt dieser Ecke Berlins.

Kurzfilm & Doku: Deutschland 2009, 89 Min., von Serdal Karaca, Anna de Paoli,Lia Reinegger, mit Oktay Özdemir, Burak Yigit, Irina Potapenko

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