Mein perfekter Sonntag

Gourmet und Familienmensch

Während andere sonntags beim Frühstück sitzen, steht Rainer Hunold vor Gericht. Denn für die Fernsehserie "Der Staatsanwalt" (Fünfte Staffel ab Freitag, dem 28. Januar im ZDF) dreht er an Wochenenden in Gerichtssälen oder Behörden.

"Mein klassischer Sonntag besteht aus Arbeit. Ich bin dann neidisch auf alle Leute, die mit einer Zeitung unter dem Arm und einer Brötchen-Tüte in der Hand nach Hause fahren", sagt der 62-Jährige.

Ist ein Sonntag aber doch mal drehfrei, verbringt er ihn mit seiner Familie in Berlin. Sie gibt ihm Orientierung. Viele Schauspieler verlören sich in ihren Rollen, sagt er. Und sie seien anfällig für soziale Verwahrlosung, da es für sie keine normale Arbeitswoche gebe. Deshalb versucht Hunold, einen freien Sonntag auszukosten. Am wichtigsten ist dabei zuerst mal das Ausschlafen. Die beste Ausrede für das späte Frühstück sind seine jugendlichen Kinder. "Wir können das lange Ausschlafen immer wunderbar auf die Kinder schieben, da die natürlich freitags und samstags Abend unterwegs sind. Das sind die beliebtesten Ausgehtermine in dem Alter. Wenn sie altersgerecht um 11.30 oder 12 Uhr auftauchen, sind wir schon glücklich." Also wird meist erst gegen Mittag gefrühstückt, wenn wirklich alle fit sind.

Rezept für das perfekte Frühstücksei

Wenn sich die ganze Familie trifft, kommt von Müsli bis Käse alles auf den Tisch. Vor allem ein weich gekochtes Ei ist wichtig. Was manchmal gelingt und manchmal nicht. Gerade aber hat er eine neue Technik ausprobiert und "die hat uns überzeugt." Dabei hält sich Hunold an das Rezept von Starkoch Tim Mälzer: "Die Eier in kaltes Wasser legen, aufkochen und dann 4 1/2 Minuten ziehen lassen. So kriegt man das perfekte Frühstücksei."

Essen ist eine seiner Leidenschaften. Deswegen gehört auch der Besuch eines Spitzenlokals zu einem perfekten Tag. Da sein Favorit Margaux am Sonntag geschlossen hat, findet man ihn häufiger im Fischers Fritz nahe des Gendarmenmarktes. Nachdem er gerade das Buch "Tiere Essen" von Jonathan Safran Foers gelesen hat, hat die Liebe zum Fleischgenuss allerdings gelitten. Deshalb entscheidet er sich für eine besondere Spezialität vom 2-Sterne-Koch Christian Lohse: Das Onsen Ei - zubereitet nach altem japanischen Rezept.

Nachmittags steht dann oft Kultur auf dem Programm. Als Kunstliebhaber verbringt Hunold gern seine Freizeit in Ausstellungen. Einen besonderen Bezug hat er zur Neuen Nationalgalerie . Sie wurde 1969, ein Jahr bevor er selbst nach Berlin kam, erbaut. "Ich habe deshalb eine starke Verbindung dazu, weil ich dort meine erste Ausstellung von Francis Bacon gesehen habe. Die erste Begegnung mit Bacon ist immer verstörend. Ich habe das nie aus meinem Kopf rausbekommen." Außerdem wohnte er eine ganze Weile schräg gegenüber dem Museum. "Das war eine unglaublich schöne Phase während meiner Studentenzeit. Es war ein bisschen wie auf dem Lande wohnen mitten in der Hauptstadt. Die Villa stand losgelöst auf einer riesigen Brachfläche. Die größten Teile des Diplomatenviertels waren zerbombt, und 300 Meter Luftlinie entfernt gab es noch das Weinhaus Huth, das jetzt in die Potsdamer-Platz-Architektur integriert ist. Sonst gab es da nichts." Von seiner Wohnung aus fuhr er mit dem Fahrrad zum Studieren.

Eigentlich wollte er nicht von Anfang an Schauspieler werden. Im Gegenteil. Viele Zufälle kamen zusammen. Einer davon war die Liebe. Deswegen war er damals überhaupt von Braunschweig nach Berlin gezogen. Und dann kam die Aufnahmeprüfung für die damalige Max-Reinhardt-Schule für Schauspiel. Von 60 Bewerbern schafften es zwölf. Hunold war zur eigenen Überraschung dabei.

Falsche Vorstellungen vom Beruf

"Der Beruf des Schauspielers ist heutzutage heiß begehrt, und durch die Casting-Shows wird eine falsche Realität vorgegaukelt. Ich wollte nicht Weltstar werden. Ich wollte einfach zum Theater, der Ruhm war nicht der Auslöser in meinem Kopf", sagt Hunold. Nach der Ausbildung landete er jedoch relativ schnell beim Fernsehen. Er bekam in dem Mehrteiler "Ein Mann will nach oben" eine der drei Hauptrollen. Damit fing die TV-Karriere aber erst an. Spätestens nach der Erfolgsserie "Ein Fall für zwei", in der er den besonnenen Anwalt Dr. Rainer Franck an der Seite von Claus Theo Gärtner als Matula spielte, kannte ihn fast jeder.

"Ich finde mich oft in der Rolle des Guten wieder. Das ist das, was die Menschen mit meiner Ausstrahlung verbinden." Trotzdem ist es nur ein Teil seiner Persönlichkeit: "Ich habe auch Ecken und Kanten. Deshalb mag ich meine Rolle als Staatsanwalt jetzt so gerne. Mit dieser Figur darf ich auch mal Fehler machen oder losbollern." Überhaupt spielte er oft Rollen, die zu seinem Typ "Fels in der Brandung" charaktermäßig passen. Hunold hat aber auch eine sanfte nachdenkliche Seite. So führt ihn ein Sonntagsspaziergang oft zur Schlesischen Straße und Flutgraben in Kreuzberg - der Erinnerung wegen. "Das war ein Teil meiner eigenen besonderen Stadtführung. Da hab ich meine Freunde immer hingebracht. Es war eine dieser ganz besonderen Stellen: Ein fast surreales Bild mit all den Fischer-, Ruder- und Hausbooten am Kanal. Man konnte auf das Wasser blicken, und drehte man den Kopf 90 Grad, da war die Mauer. Heutzutage würde man denken - eine Installation."

"Ich finde mich immer wieder in der Rolle des Guten wieder"

Rainer Hunold, Schauspieler