Kleine Entdeckungen

Imbiss mit Nudeln, Wok und Pappel

Früher nagelte man ein paar Bretter in einen Baum, und fertig war das Baumhaus. Viele Berliner aber bleiben lieber auf dem Boden. Das gilt auch für den Neuköllner.

Darum hat Cinh Wu (50) seinen Asia-Imbiss um einen Baum herum gebaut. Das ist inzwischen elf Jahre her. So lange steht der Imbiss neben dem Haus Hermannstraße 204. Und den Baum, eine Pappel, gibt es sogar noch viel länger. Das sagt jedenfalls Herr Wu: "Der Baum ist 120 Jahre alt, das hat mir eine alte Frau erzählt. Der Baum ist so alt wie das Haus nebenan." Die Pappel ist nicht nur alt, sondern auch groß. "Der größte Baum der Hermannstraße", sagt Herr Wu.

Da muss man natürlich Rücksicht nehmen: Herr Wu war bei der Konstruktion seiner Blechküche überaus sorgfältig. Jede knorrige Ritze hat er ausgespart, kein Stückchen Borke wird verletzt. Und weil der Baum immer dicker wird, sägt Herr Wu jedes Jahr zwei Zentimeter aus dem Dach heraus. Das Loch wächst also mit dem Baum. Vielleicht aber vergisst Herr Wu ja mal das Sägen. Dann zieht der Baum den Imbiss beim Wachsen mit hoch. Dann kann man dort oben auf einem Barhocker sitzen, leckere Frühlingsrollen (sechs Stück kosten 1,90 Euro) essen oder Glühwein für einen Euro trinken.