Berliner Perlen

Die vier-saitige Musikbox

Zwölf Uhr mittags in Kreuzberg. Während draußen frostige Temperaturen herrschen, macht sich im "Leleland" eine geradezu hawaiianische Stimmung breit. Das liegt nicht an dem Plakat mit der polynesischen Schönheit, das mitten im Raum steht, sondern an den Klängen, die die Kunden den Instrumenten entlocken.

Silvio, Heilpädagoge aus Regensburg, intoniert "Knocking on Heaven's Door", während Annika Walter, Ukulelen- und Gitarrenlehrerin aus Freiburg, mit ihrer Schwester Lucie Instrumente ausprobieren. Harald Truetsch, der das Fachgeschäft für Ukulelen vor einem Jahr eröffnete, ist solche Jam-Sessions gewohnt. "So geht es hier häufig zu", sagt der Ladenbesitzer.

Unter ungefähr 160 Ukulele-Modellen können die Kunden in "Leleland" wählen. Klein und hübsch sind sie alle. Am zierlichsten sind die Sopran-Ukulelen mit etwa 55 Zentimeter Gesamtlänge, gegen die sich die etwa 20 Zentimeter größeren Bass-Ukulelen geradezu voluminös ausmachen. Dazwischen hängen Raritäten wie elektrische Ukulelen, Banjolelen und die sechssaitigen Gitalelen.

Uneingeweihte halten die zierlichen Instrumente oftmals für Kindergitarren. Der wesentliche Unterschied zu einer Gitarre aber besteht nicht alleine in der Größe, sondern darin, dass eine Ukulele nur vier Saiten oder Doppelsaiten hat. Die typische hawaiianische G-C-E-A-Stimmung und der kleine Resonanzkörper sorgen für einen unverwechselbaren Klang.

Hüpfender Floh

Ein portugiesischer Einwanderer brachte einst, so die Legende, eine viersaitige Gitarre namens Braginha, aus Madeira mit. Die Hawaiianer zeigten sich begeistert von dem handlichen Instrument. Sie stellten eigene aus dem einheimischen Koaholz her und tauften sie Ukulele. Auf hawaiianisch bedeutet das "hüpfender Floh", weil Finger, die sich schnell über den Hals bewegen, an Flöhe erinnerten. Während des Pazifikkrieges brachten amerikanische Soldaten, die auf Hawaii stationiert waren, die Ukulelen in die USA. Weltweit bekannt wurden sie durch den Film "Manche mögen's heiß", in dem Marilyn Monroe auf einer Ukulele spielt und dabei eine sehr gute Figur macht.

Noch daheim im bayrischen Fürstenfeldbruck bekam Harald Truetsch seine erste Ukulele zum 18. Geburtstag von Mitschülern. Bis dahin hatte er begeistert Gitarre gespielt. "19 Mark hat sie damals gekostet", erinnert er sich. Als zu Beginn des neuen Jahrtausends auch der Internet-Handel mit Instrumenten zu blühen begann, versuchte Truetsch für einen Freund eine Ukulele zu besorgen. Leichter gesagt, als getan. In den Läden war nichts zu finden. Die Exemplare, die er online bestellt hatte, konnten nicht durch Wohlklang überzeugen. "Von der Industrie werden Ukulelen ausgesprochen stiefmütterlich behandelt", sagt Truetsch. "Das ist auf der einen Seite ärgerlich. Aber gerade darin habe ich eine Chance gesehen." Ungefähr fünf Jahre lang informierte er sich über Ukulelen und ihre Hersteller. Dann eröffnete er den Laden. Heute verkauft Truetsch etwa sechs Ukulelen pro Tag. Die günstigsten kosten zwischen 30 und 40 Euro, für das teuerste Exemplar muss man etwa 1100 Euro zahlen.

In den letzten Jahren gewannen die Instrumente immer mehr Fans. Schuld daran ist unter anderen Stefan Raab, der seine fiesen Ständchen mit Vorliebe auf einer Ukulele begleitet. Wie aus dem Nichts eroberte dann im vergangenen September eine Version von "Somewhere over the Rainbow" des hawaiianischen Sängers Israel Kamakawiwo'ole die deutschen Charts. Der bis dahin hierzulande völlig unbekannte Hawaiianer, der zu Lebzeiten bis zu 350 Kilo auf die Waage brachte und 1997 starb, spielte den Song 1993 ein. Mit betörender Stimme singt er das Lied aus den 30er-Jahren und spielt in dem dazugehörigen Video auf einer Ukulele, die in seinen gewaltigen Speckrollen zu versinken droht. Der Nummer-Eins-Hit aus dem September bescherte Harald Truetsch, wie er freudig berichtet, diverse neue Kunden.

Instrument für Kinder

Und dann ist da noch die amerikanische Songwriterin Julia Nunes, die im letzten Jahr eine Ukulele bei Harald Truetsch erstand und davon begeistert in ihrem Blog berichtete. "In den nächsten drei Wochen hatte ich nur Spanier hier im Laden. Vermutlich ist die Frau in Spanien ausgesprochen populär", mutmaßt der Ladenbesitzer. Er schätzt, dass insgesamt ein Drittel seiner Kunden Spanier sind. Berliner sind eindeutig in der Minderheit.

"Der Sound ist so happy", findet Kundin Annika aus Freiburg. Ihr fallen jede Menge weiterer Vorzüge des Instruments ein. Es ist handlich und lässt sich problemlos überall hin transportieren. Außerdem wird gerne behauptet, dass man eine Ukulele schnell beherrscht. "Fünf Minuten reichen", behaupten Kunde Silvio und sein Sohn Konstantin. Klar ist, dass die Griffe auf den vier Saiten leichter zu beherrschen sind als auf einer Gitarre. Zudem sind die Bünde so schmal, dass bereits Kinder das Instrument spielen können.

Für Einsteiger bietet "Leleland" regelmäßig mehrstündige Workshops an. Bei diesen Zusammenkünften darf man sicherlich eine friedliche und entspannte Stimmung erwarten - ganz nach dem Wahlspruch des 1. Deutschen Ukulelenclubs: "Wer seine Zeit mit der Ukulele verbringt, tut nichts Böses."

Leleland Gneisenaustr. 52a, Kreuzberg, Tel. 693 64 86, Mo.-Fr- 12-19 Uhr, Sbd. 12-15 Uhr. Der nächste Workshop findet am 12. Februar um 15 Uhr statt