Ausflugs-Tipp

Bei den stummen Zeugen des Kalten Krieges

Den Sauerstofftank aufzuladen, das kann auch zu Beginn eines neuen Jahres nicht schaden. Wir schlagen einen Spaziergang um den Teufelsberg herum vor. Optimisten nehmen trotz des Tauwetters einen Schlitten mit, denn es könnte sein, dass man am Rodelberg noch die eine oder andere Abfahrt machen kann.

Wir starten am Bahnhof Olympiastadion, den man - wenn die S-Bahn gnädig ist - mit der S 75 Richtung Spandau erreicht, und gehen auf der Flatowallee Richtung Heerstraße. Seit 1997 trägt die einstige Reichssportfeldstraße den Namen der beiden Turner Alfred Flatow und seines Cousins Gustav Felix Flatow. Die beiden nahmen an den Olympischen Spielen 1896 in Athen teil und errangen mit der Mannschaft eine Silbermedaille. Beide kamen später im Konzentrationslager Theresienstadt um. Auf der linken Seite der Flatowallee sehen wir das denkmalgeschützte Hochhaus des Schweizer Architekten Le Corbusier, das 1956 bis 1958 entstand. Le Corbusier wollte mit standardisierter Bauweise dem Wohnungsmangel begegnen. Kritiker sehen es als "Wohnmaschine", aber weil die Wohnungen geradezu lichtdurchflutet sind, sind sie sehr beliebt.

Wir überqueren die Heerstraße, die ab 1874 als Verbindung zum einstigen Truppenübungsplatz Döberitz bei Dallgow angelegt wurde, und gehen geradezu in den Wald hinein. An zwei Kreuzungen biegen wir leicht nach links ab, und bald taucht in halblinker Richtung eine der Rodelbahnen vom Teufelsberg herab auf. Circa 300 Meter lang ist die etwas holprige Piste, auf der man es ganz schön "krachen" lassen kann - wenn der Schnee nicht schon zu weich geworden ist. Wir gehen wieder auf der gleichen Strecke zurück und nehmen den breiten Weg, der rechts um den Teufelsberg herumführt. 114 Meter hoch ist der Hügel, künstlich angelegt aus den Trümmern, in die Berlin im Zweiten Weltkrieg versunken war. Ein steter Begleiter sind die Türme der einstigen amerikanischen Abhöreinrichtung oben auf dem Schuttberg. Sie lauschte einst bis weit in das Gebiet des Warschauer Paktes hinein, im Juli 1990 wurde sie aufgegeben. Nachnutzer für die stummen Zeugen des Kalten Krieges gibt es noch nicht. Darüber freuen sich die Naturfreunde, denn das Gebiet ist für Mountainbiker, Felsenkletterer und Wanderer ein Paradies. Still ist es in dem Wald, gelegentlich kräht ein Rabe, der eine oder andere Langläufer und unverdrossene Mountainbiker kommt dem Spaziergänger entgegen. Der Lärm der Stadt ist aber weit weg. Bald erreichen wir das Ökowerk , das allerdings erst am 15. Januar wieder öffnet (dienstags-freitags 10-16 Uhr, Sbd./So. 11-16 Uhr. Der heiße Hollunder-Tee in dem kleinen Bistro und der Kuchen sind dann wärmstens zu empfehlen).

Entlang der Teufelsseechaussee gehen wir zurück. Weil sie durch ein Naturschutzgebiet führt, wurde hier kein Salz gestreut. Nach einer guten halbe Stunde erreichen wir den S-Bahnhof Heerstraße. Dort kann man sich in dem "Ristorante Il Passetto" (Tel. 301 68 95, tgl. 12-24 Uhr) stärken. Ganz Eilige sind auch mit dem "Würst'l Stand" zufrieden.

Länge: ca. fünf Kilometer