Mein perfekter Sonntag

"In Berlin findet man alles"

Wenn sich andere Berliner am Sonntagmorgen noch einmal gemütlich umdrehen oder gerade erst mit dem Frühstück beginnen, ist die Schauspielerin und Regisseurin Brigitte Grothum schon sportlich am Ball - genauer gesagt am Tennisball.

Gemeinsam mit ihrem Mann, dem Orthopäden Manfred Weigert, schwingt sie um 9.30 Uhr in der Aerohalle des Tennisclubs "Grün-Weiß Nikolassee 1925 e.v." am Kirchweg den Schläger. "Wir spielen seit über 30 Jahren Tennis. Meine Mutter hat hier sogar noch im Alter von 81 Jahren gespielt", erzählt die sportliche Schauspielerin, die außerdem mit Begeisterung Ski läuft. "Letzteres habe ich einst aus Liebe zu meinem bayerischen Ehemann gelernt." Der gebürtige Münchener verwöhnt seine Frau dafür beim gemeinsamen Sonntagsfrühstück um 6.30 Uhr in ihrer herrlich gelegenen Villa in Nikolassee ("Hier ist es wie im Luftkurort"). Es gibt Lachsbrot oder Brötchen mit Marmelade. Dazu Kaffee mit Milch.

Vorbereitungen für Tournee

"Wir sind beide Frühaufsteher, genießen das gemütliche Essen im Bett, besprechen dabei den Verlauf des Tages." Anschließend bringt "Grete", ein Mix aus Rottweiler und Dogge, ihre Besitzerin auf Trab. Mit der achtjährigen Hundedame (bekam sie als Welpe von Schauspielerkollege Peter Sattmann) entspannt sie sich am liebsten beim Spazierengehen auf der nahe gelegenen Rehwiese . "Grete" ist immer dabei, wenn Grothum unterwegs ist, so auch an den spielfreien Tagen des Theaters am Kurfürstendamm. Dort steht die Künstlerin noch bis zum 21. Januar 2011 im Publikumserfolg "Kalender Girls" auf der Bühne. Außer montags - dann besucht die Schauspielerin, Regisseurin und Produzentin des "Jedermann" vorab die verschiedenen Auftrittsorte. Im März steht eine 14-tägige Tournee an. In der Hauptstadt bringt sie das Mysterienspiel seit 1987 erfolgreich auf die Bühne (Gedächtniskirche und Berliner Dom). Ihr Ehemann spielt die Orgel, Tochter Debora Weigert, Schauspielerin wie ihre Mutter, ist unter den Darstellern.

Doch ihr Terminkalender bietet noch mehr. Während der "Jedermann"-Proben wird Brigitte Grothum im Steglitzer Schlosspark-Theater an der Schlossstraßeam 24. Februar mit dem Stück "Arsen und Spitzenhäubchen" Premiere feiern.

Wenn sie sonntags nicht Theater spielt, sitzt sie mit ihrem Mann gerne vor dem Fernseher und schaut ganz profan die "Sportschau". Früher seien die Fußballer von Hertha BSC in ihrem Hause ein- und ausgegangen, erzählt die Schauspielerin, deren Mann unter anderem jahrelang ehrenamtlich als Sportarzt bei den Herthanern tätig war. Zum Thema Fußball hat das Ehepaar eine klare Meinung: "Heute ist es ein Geschäft, früher war es Sport."

Seit 1977 leben sie in der rustikal-elegant eingerichteten Villa in Nikolassee. Dort lässt die Hausherrin oft den Sonntagabend am Klavier ausklingen. "Ursprünglich wollte ich Pianistin werden. Mein erster Mann war der Dirigent Carl August Bünte. Mit ihm, der im vergangenen Jahr 85 Jahre alt wurde und in Westend wohnt, habe ich noch einen netten Kontakt. Auch mein Mann mag ihn und seine österreichische Frau", erzählt Grothum. Mit Bünte hatte sie seinerzeit in Lichterfelde gewohnt.

Über das heimische Nikolassee sagt Brigitte Grothum: "Hier kennt jeder jeden, beim Einkaufen hält man ein Schwätzchen. Berlin bedeutet für mich Heimat." Dann schwärmt sie: "Man kann stundenlang fahren; mit dem Auto, dem Fahrrad oder den öffentlichen Verkehrsmitteln. Ob Museen, Kinos, Theater, Modegeschäfte, historische Bauwerke oder Restaurants, in Berlin findet man alles. Hier gibt es nichts, was es nicht gibt. Diese Vielschichtigkeit begeistert mich", sagt Brigitte Grothum.

Zu ihren Lieblingsrestaurants gehört das "Wilson's - The Prime Rib Restaurant" an der Nürnberger Straße (im Hotel Crowne Plaza). Die besondere Spezialität ist das Fleisch von frei laufenden Rindern, die ein besonderes Kraftfutter bekommen. Wenn die Schauspielerin am Sonntagsabend Vorstellung hat, fährt sie mittags zum Essen ins "Wilson's", macht anschließend noch einen Spaziergang durch den nur wenige Minuten entfernten Zoo oder geht ins Aquarium . Auch das hauseigene Schwimmbad im Keller ist ein Ort zum Entspannen. Da haben Handy, Telefon, Fax und Internet Pause. So manche gute Idee für ihre Inszenierungen hatte die "Jedermann"-Regisseurin hier in der Stille und nicht in dem weiter oben gelegenen Produktionsbüro.

Schmerzhaftes Kennenlernen

Was ist das Wichtigste ihrer nunmehr 41-jährigen Ehe? "Vertrauen und gegenseitiger Respekt", betont Brigitte Grothum. Dabei war der Anfang ihrer Beziehung, 1967, ziemlich schmerzhaft. Die Schauspielerin stand in Hamburg mit Hansjörg Felmy in dem Stück "Himmelbett" auf der Bühne, verletzte sich dabei den linken Fuß. In dieser Verfassung flog sie nach München. "Auf der Gangway bin ich dann zu allem Überfluss noch umgeknickt. Das Resultat war ein äußerst schwieriger Bruch. Damit kam ich in die Klinik. Dort hatte just ein gewisser Manfred Weigert Dienst." Trotz der Schmerzen freute sie sich auf die tägliche Visite, verließ nach fünf Wochen dann total verliebt das Krankenhaus. 1968 zogen beide zusammen. Ein Jahr später war Hochzeit - natürlich in Berlin.

"Heute ist es ein Geschäft, früher war es Sport"

Brigitte Grothum, Schauspielerin