Film

Das fast perfekte Leben im Paradies

Seitdem man im Hause Disney die Zahl der jährlichen Produktionen radikal heruntergefahren hat und sich auch die anderen großen Studios zurückhaltender zeigen, hat sich mit Walden Media eine kleinere, mit wechselnden (Verleih-)Partnern zusammenarbeitende Produktionsgesellschaft im Segment der Kinder- und Familienfilme fest etabliert. Der sensationelle Erfolg des ersten Teils der "Chroniken von Narnia" hat es möglich gemacht. Für Walden Media gilt dabei allerdings das gleiche wie für die anderen Studios: Die teueren Blockbuster sind meist weniger interessant als die kleinen, etwas abseitigen Projekte.

Mit "Die Insel der Abenteuer" präsentiert sich das kleine Studio sogar von einer erstaunlich risikofreudigen Seite. Jennifer Flacketts und Mark Levins Verfilmung von Wendy Orrs Kinderbuch "Wie versteckt man eine Insel?" wirkt wie ein Gegenentwurf zu all den aufwendigen, mit digitalen Effekten überladenen Fantasy-Abenteuern, die mittlerweile das Familien-Kino dominieren. Statt auf CGIs, die letztlich nur die Fantasie des Betrachters erdrücken, setzen Flackett und Levin ganz auf die Wunder der menschlichen Vorstellungskraft.

Wenn es noch so etwas wie das Paradies auf Erden gibt, dann muss es diese kleine, unbekannte Vulkaninsel im Südpazifik sein, auf der die elfjährige Nim (Abigail Breslin) alleine mit ihrem Vater Jack (Gerald Butler), einem Meeresbiologen, lebt. Wäre ihre Mutter nicht schon vor Jahren auf hoher See verschwunden, das Leben des Mädchens wäre perfekt. Aber auch so haben ihre Tage, die sie meist damit verbringt, ihrem Vater zu helfen, etwas Traumhaftes an sich. Das ändert sich, als Jack für zwei Tage mit seinem Boot auf eine Forschungsreise geht und dabei in einen Orkan gerät.

Nim kann ihn nicht mehr erreichen und wendet sich in ihrer Verzweiflung per Email an den Autor und Abenteurer Alex Rover. Nur weiß sie nicht, dass Alex nur eine Erfindung der überaus neurotischen Alexandra Rover ist. Die von Jodie Foster gespielte Schriftstellerin leidet unter unzähligen Phobien und hat seit längerem ihr Haus nicht mehr verlassen.

Doch Nims Emails kann auch sie nicht ignorieren. Also nimmt sie all ihren Mut zusammen und macht sich auf den beschwerlichen Weg von San Francisco zu der geheimen Insel. In der vielleicht schönsten Szene von "Die Insel der Abenteuer" liegt Nim mit dem neuesten Alex Rover Roman im Bett. Sie verschlingt das Buch regelrecht. Plötzlich sind das Haus und der Dschungel um sie herum verschwunden.

Stattdessen steht ihr Bett nun mitten in der Wüste Sahara, und sie erlebt mit, wie der Held von einigen Reitern verschleppt wird. Auf eine simple und dabei ungeheuer poetische Weise feiern Flackett und Levin in diesem Moment die Macht der (kindlichen) Fantasie. In Momenten wie diesem verschwindet auch die Grenze zwischen der Leinwand und dem dunklen Kinosaal. Für einen Augenblick wähnt man sich an der Seite Nims, hinter deren erfrischender Unbekümmertheit Abigail Breslin immer auch die Trauer der Halbwaisen durchschimmern lässt.

Doch diese Höhenflüge der Fantasie sind nur von kurzer Dauer. Flackett und Levin gelingt es nicht die parallelen Handlungsstränge um Nim, Alexandra und Jack, der alles versucht, um nach dem Sturm zu seiner Tochter zu kommen, zu einem Ganzen zu verbinden. Die Übergänge wirken einfach zu sprunghaft, zumal jede der drei Handlungen einen anderen Ton anschlägt.

Vor allem Jodie Fosters Szenen bleiben Fremdkörper. Man spürt genau, wie viel Spaß der Hollywood-Star bei der Darstellung des Neurosen-Bündels Alexandra hatte. Aber ihre bis ins Alberne überdrehte Darstellung wirkt ein wenig zu kalkuliert. Sie ist reines Schau-Spiel, verweist nur ständig auf sich selbst und zerstört so die Illusion einer in sich perfekt geschlossenen Fantasie-Welt.

Abenteuer

Die Insel der Abenteuer

USA 2008100 min. Ab acht Jahren

Regie : Mark Levin und Jennifer Flackett

Darsteller: Jodie Foster, Abigail Breslin, Gerald Butler

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