Film

Außerirdische in Südafrika: "District 9"

Mittlerweile eilt Neill Blomkamps düsterem Science-Fiction-Szenario "District 9" ein fast schon einzigartiger Ruf voraus. Die PR-Kampagne hat ihre Wirkung nicht verfehlt. Nahezu von allen Seiten wird das Spielfilmdebüt des südafrikanischen Effektespezialisten als moderner Genreklassiker gefeiert.

Vor mehr als 20 Jahren ist ein Raumschiff über Johannesburg gestrandet. Seine Insassen, insektoide Aliens, leben seither im District 9, einem Township mitten in der Stadt. Die Kontrolle über das Gebiet hat das Privatunternehmen Multi-National United (MNU), das an der Waffentechnologie der Außerirdischen interessiert ist und vor Experimenten nicht zurückschreckt. Nun sollen die mehr als zwei Millionen Aliens in ein Lager umgesiedelt werden. Dafür braucht man deren Zustimmung, und die soll eine MNU-Abordnung unter Leitung von Wikus Van De Merwe (Sharlto Copley) einholen. Nur infiziert sich der mit einer Flüssigkeit.

"District 9" beginnt wie eine Fernsehdokumentation über Wikus Van De Merwe und die Umsiedlung. Interviewschnipsel und Handkamera-Bilder suggerieren Authentizität. Allerdings hält Blomkamp den pseudodokumentarischen Schein nur so lange aufrecht, wie er ihm entgegenkommt. Später wechselt er - immer auf den größten Effekt bedacht - ständig zwischen Van De Merwes Perspektive und einer Erzählerposition hin und her.

Natürlich beschwören die Internierung der Außerirdischen und die katastrophalen Zustände im District 9 Erinnerungen an die südafrikanische Apartheidpolitik herauf. Nur reproduzieren die Verhältnisse unter den Aliens die schlimmsten rassistischen Vorurteile.

Zwischen Analyse und Affirmation liegt im Genrekino ein schmaler Grat, und von dem rutscht Neill Blomkamp mehr als einmal ab.

Science-Fiction: USA 2009, 112 Min., ab 16 Jahre, von Neill Blomkamp, mit Sharlto Copley, Jason Cope, Nathalie Boltt

++---