Lady Gaga

Die Überflieger

Gegensätzlicher können Musiker kaum sein: Hier - stellvertretend für seine Band U2 - Bono: Alter Zausel mit durch Jahrzehnte langes Musikerleben ehrenhaft tief zerfurchtem Gesichtszügen.

Bono ist emotionaler Künstler, politischer Kopf und engagierter Querdenker. Dort Lady Gaga: Junges Ding, durchgestylte Kunstfigur mit glatt gespachteltem Porzellanteint. Lady Gaga ist perfekt designter Schein mit Hang zur kalkulierten Provokation.

Diese Antipoden populärer Musik haben trennenden Abgründen zum trotz, einiges gemeinsam: Beide sind in ihrer Generation Stil-Ikonen, prägen das Denken, Fühlen und Handeln unzähliger Fans. Beiden gelangen mit ihren Liedern Toperfolge auf Konzerten und in Charts (auch wenn U2 durch die dreißig Jahre ihres Schaffens dort einiges voraushaben).

Wer jetzt noch die beiden jüngsten Single-Auskopplungen nebeneinander legt, wird so wohl auf U2s "I'll Go Crazy If I Don't Go Crazy Tonight" und Lady Gagas "Love Game" einen künstlichen Beat und treibende synthetische hyperdramatische Klänge vernehmen, die vergessen geglaubte 80er Jahre in moderne, ganz neue Sphären heben.

Beide, und das ist zumindest für die jeweiligen Fans eine wichtige Gemeinsamkeit, spielen in Berlin.

U2, die ihr neues Album vorstellen, füllen mit der "No Line on the Horizon"-Tour das Olympiastadion, Lady Gaga, eigentlich Stefani Joanne Angelina Germanotta, tritt in der Columbiahalle auf. Es steht also etwas über 70 000 zu 3000. Zur Beruhigung aller, denen es als Sakrileg erscheint, Bono mit Lady Gaga in einen Topf zu werfen, werden so die Verhältnisse vorerst wieder zu Recht gerückt.

Musik, Olympiastadion 19 Uhr, bzw. Columbiahalle , 20 Uhr, beide Konzerte am 18. Juli, Tel. 61 10 13 13