"Korankinder"

Auswendig lernen

Das zweitgrößte Pilgertreffen der Welt (nach Mekka) findet in Dhaka in Bangladesch statt. Dort versammeln sich einmal im Jahr bis zu drei Millionen Muslime. Für den 1969 in Dhaka geborenen Regisseur Shaheen Dill-Riaz ist dieses Bild der vielen religiösen Pilger ungewohnt.

Seit 1992 lebt er in Deutschland und ist zu einem Wandler und Vermittler zwischen den Welten geworden. Es war eine Mischung aus Neugier und Erstaunen, die den Filmemacher dazu bewog, sich selbst und seinen sehr liberalen Eltern Fragen über das Verhältnis zu Islam zu stellen und über den steigenden Einfluss des Korans zu reflektieren.

So gelingt es Shaheen Dill-Riaz mit seiner Kamera, Zugang zu Koranschulen (den Madrasas) zu bekommen. Die dort unter strengem Regime lebenden kleinen Jungs müssen den Koran auf Arabisch auswendig lernen, ohne ein Wort zu verstehen. Und doch hütet sich Shaheen Dill-Riaz davor, die vermeintlich rückständigen Lehreinrichtungen nur einseitig zu verurteilen. Er hat einen klugen, nachdenklichen Film gedreht, der versucht dem Phänomen der Koranschulen in Bangladesch gerecht zu werden. Da sind einerseits viele Jungs, die sonst auf der Straße landen würden und die immerhin verpflegt und untergebracht werden. Ihr Ziel ist es, später ein Hafiz zu werden, ein Gelehrter.

Zehntausend Madrasas gibt es in Bangladesch. Dem stehen achtzigtausend staatliche Schulen gegenüber. In den Madrasas erhalten die Schüler oft keine gute weltliche Bildung und werden nicht in der Landessprache Bengali unterrichtet. Regisseur Shaheen Dill-Riaz hat kluge Interviewpartner gefunden. "Korankinder" ist so ein auch optisch fesselnder Film, der dem westlichen Betrachter eine fremde Welt näher zu bringt.

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