Theater

Gesetz der Straße

Die in Neukölln geborene und aufgewachsene Journalistin Güner Balci hat im Herbst 2008 mit ihrem Buch "Arabboy" sehr viel Aufsehen erregt. Darin beschreibt sie teilweise drastisch den Lebensweg des in Polizeikreisen "Intensivtäter" genannten Jungen Rashid aus Neukölln - sein Dasein zwischen Gewalt und Drogen.

Das neue Volkstheater "Heimathafen Neukölln" - bisher eher durch Kabarett-Vorstellungen bekannt - bringt nun eine mit der Autorin erarbeitete Theaterfassung auf die Bühne. Das Ensemble will sie auch vor Schulklassen spielen, das Stück liefert genug Diskussionsstoff. "Die Schüler sehen auf der Bühne ihre Lebenswelt. Das gibt ihnen Impulse zum Nachdenken", hofft Regisseurin Nicole Oder, die auch die Bühnenfassung schrieb.

Die heutige TV-Redakteurin Güner Balci, deren Eltern in den 60er-Jahren als Gastarbeiter nach Berlin kamen, kennt das Milieu, über das sie geschrieben hat. Sie studierte Erziehungs- und Literaturwissenschaft und arbeitete im Modellprojekt "Kiezorientierte Gewalt- und Kriminalitätsprävention" und im "MaDonna". In diesem Mädchentreff im Rollbergviertel zwischen Karl-Marx- und Hermannstraße kämpfen die Mitarbeiter gegen Frauenunterdrückung und Zwangsheirat ihrer arabischen und türkischen Klientel. Balcis Romanheld Rashid hat libanesische und palästinensische Wurzeln. Der Neuköllner Junge darf vonseiten seiner Eltern tun und lassen was er will, solange er die Ehre seiner Schwester schützt, sich in der Moschee benimmt und sich von ungläubigen Deutschen fernhält. Rashid hat Träume und Ängste wie jeder andere Jugendliche, doch Mitleid oder Scham sind ihm fremd. Er glaubt an das Gesetz der Straße, an die Macht des Stärkeren. So berauscht er sich an Gewalt, quält andere und stellt mit seinen Kumpels selbst gedrehte Gewaltvideos ins Internet. Ein "Mega-Checker" aus dem Rotlichtmilieu wird sein Vorbild. Rashid bringt es so zum Kiezkönig, bis er über Drogen strauchelt und im Gefängnis landet. Als ihm die Abschiebung droht, wird das verhasste Deutschland für ihn zum Land seiner Sehnsucht.

Heimathafen Neukölln (im Saalbau): Karl-Marx-Str. 141, Neukölln. Tel. 69 51 51 27, Premiere 20.30 Uhr (auch morgen), Karten 13/8 Euro