"Eldorado"

Mein Einbrecher und ich

Das kann doch eigentlich nur Wim Wenders: Diese weiten Bilder, Landschaften, eindringlich, als wollten sie sprechen. Da wogt das Feld golden, am Himmel ziehen Wolken, imposant, aber etwas hastig.

Es könnte düster werden. Aber, zuerst bricht in "Eldorado" noch etwas los, das Wenders ja eher nicht kann: Ein stiller, aber in den hellen Blödsinn verliebter Humor.

Yvan (Bouli Lanners) stellt nachts in seiner Wohnung einen Dieb. Der verkriecht sich unter dem Bett und diskutiert erst einmal. Als der zierliche Elie (Fabrice Adde) sich nach Stunden zeigt, sitzen Einbrecher und Opfer erst einmal miteinander am Tisch. Irgendwann sagt Yvan: Soll ich Dich nach Hause fahren?

Bouli Lanners ist so etwas wie der König des belgischen Underground-Kinos. Er sieht ziemlich genau so aus wie Obelix (auch wenn er gerade in "Asterix und Obelix bei den Olympischen Spielen" nur den König Aderlas spielte) und er zeigt trotzdem im Film auch mal seinen nackten Bauch. Lanners hat den Film "Eldorado" geschrieben, gedreht und spielt auch noch eine der beiden Hauptrollen. Das alles ist so gelungen, dass es bei der Quizaine, einem Nebenfestival von Cannes, vor einem Jahr drei Preise gewann, auch den als "bester europäischer Film".

Das ist berechtigt. Das etwas irre Roadmovie sammelt zwar ein wenig zu auffällig Skurrilitäten, man darf da an Jim Jarmuschs Frühwerke denken oder an Jeunet und Caro. Allerdings ist es gemein, wenn der deutsche Verleih den Film nun "schräges Roadmovie" nennt. Das klingt nach Suff- und Sex-Komödien aus Hollywood, doch denen steht Lanners denkbar fern. Zwischen den kleinen Verrücktheiten tun sich menschliche Abgründe auf, die zu enträtseln oft dem Zuschauer überlassen bleibt. Yvan hat seinen Bruder verloren, an das Heroin, will er nun etwas kompensieren, wenn er sich um Elie kümmert? Denn dass der gerade erst von der Nadel weg ist, erkennt der lebenskluge Misanthrop sofort. Und dass er ein guter Mensch sei, erkennt - trotz all der Anekdoten um Nudisten, Sterbehilfe für einen Hund, betrunkene Seher - der Zuschauer schnell. Spät wird dagegen klar, dass hier auch ein urbanes Märchen neu erzählt wird, nämlich: Junkie wird endlich clean und findet neu ins Leben. Der Film ist zu schlau, um sich dieses Klischee abzukaufen. So endet er seltsam rührend, irgendwo zwischen happy und sad, allerdings mit einer Überraschung. Eine solche ist er ja ansonsten sowieso: Belgien hat bisher selten ausgesehen wie der mittlere Westen der USA. Hier schon. Bis auf die vielen Wohnmobile, die grellen Scherze - und die tiefe Traurigkeit, die alles grundiert.

Eldorado

Belgien 2008

85 Min., ab 12 Jahren

Regie Bouli Lanners

Darsteller Bouli Lanners, Fabrice Adde, Francoise Chichery, Philippe Nahon, Didier Toupy

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