Secret Sunshine

Keine Erlösung

Shin-ae zieht nach dem Tod ihres Mannes von Seoul in dessen Heimatstadt Miryang, die den verheißungsvollen Namen "Geheimer Sonnenschein" trägt. Doch Lee Chang Dongs vierter Spielfilm "Secret Sunshine" erzählt nur von leeren Verheißungen, von den Qualen einer Frau, der das Schicksal die Chance auf einen Neuanfang verwehrt.

Shin-ae (Jeon Do-yeon) versucht, sich in Miryang eine Existenz als Klavierlehrerin aufzubauen, aber bereits das verstörte Sich-Sträuben ihres kleinen Sohnes gegen die neue Heimat kündigt ihr Scheitern an.

Dann begeht Shin-ae den entscheidenden Fehler: Sie erzählt den falschen Leuten, dass sie ein teures Grundstück erwerben will. Ihr angebliches Vermögen spricht sich herum, Shin-aes Sohn verschwindet, sein Entführer fordert Lösegeld. Shin-ae hält einen Teil ihres Geldes zurück und die Leiche des Jungen wird aus dem Fluss gefischt. Nun bricht Shin-ae zusammen, erst verfällt sie in regungslose Starre, in tiefe Depression, dann in Wut, Verzweiflung und Schuldgefühle.

Lee Chang Dong fasst diesen Leidensweg in nüchterne Bilder. Keine Musik, nur minimalistische Dialoge. Der Automechaniker Jong-chan (Song Kang-Ho) begleitet die junge Frau auf diesem quälend zähen Weg, immer in der Hoffnung, einmal ihre Liebe gewinnen zu können; doch sie ignoriert ihn, bedient sich nur manchmal seiner Hilfe. Als eine Apothekerin Shin-ae zum Trauergottesdienst einer evangelikalen Gemeinde einlädt, reagiert diese erstmals. Sie folgt der Einladung, in der Kirche bricht der Schmerz endlich aus ihr heraus und sie konvertiert. Aus der Verzweiflung wird schlagartig charismatische Heiterkeit.

Da der Film auch in solchen Momenten die große Distanz zu seiner Hauptfigur nicht aufhebt, bleibt diese Konversion, dieser Hoffnungsschimmer, für den Zuschauer emotional unzugänglich, wirkt unmotiviert und allzu plötzlich. Auch die stärkste, bedeutungsschwerste Szene von "Secret Sunshine" buchstabiert Chang Dong nicht aus: Shin-ae fährt mit ihrer Gemeinde ins Gefängnis, um den Mörder ihres Sohnes zu besuchen und ihm in christlicher Nächstenliebe zu vergeben.

Als der Mann mit selbstzufriedener Gelassenheit auf ihre Absolution reagiert, weil er selbst bereits im Gefängnis zu Glauben und Vergebung gefunden hat, bricht Shin-aes "Instant"-Religiosität in sich zusammen. Sie ist fortan voller Hass auf Gott und die Gläubigen, sie sprengt Gottesdienste, beschimpft die Gemeindemitglieder und versucht, den verheirateten Pastor zu verführen.

So findet Sin-ae keine Erlösung, ja nicht einmal eine heilsame Katharsis vergönnt ihr dieser Film. Sowohl die Liebe ihres Verehrers als auch die ihr angebotene Liebe Gottes sind zu hastig, zu aufdringlich, zu oberflächlich, um sie berühren zu können. Leid und Trauer finden in "Secret Sunshine" kein Ende.

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