Film

Familienrettung

Es ist ein Phänomen unserer Zeit und mit dem abgegriffenen Stichwort Jugendwahn nicht hinreichend erklärt: Kinder werden heutzutage einfach nicht mehr so erwachsen wie ihre Eltern.

Der Italiener Gianni Zanasi illustriert in seiner Komödie "Nicht dran denken" diesen bedenklichen Familienzustand, ohne auch nur im Mindesten eine moralische Anklage daraus zu machen.

Wenn die drei Geschwister Stefano, Alberto und Michela, sämtlich in ihren 30ern, zusammen versuchen, das Familienunternehmen zu retten, wirken sie wie 13jährige, die zum ersten Mal den Ernst des Lebens proben. Eigentlich wollen sie ihren Vater schonen, der sich wegen Herzproblemen aus der Obstkonservenfabrik zurückgezogen hat. Am Ende aber wird es wieder der alte Patriarch sein, der seine Kinder schont: indem er ihnen gar nicht erst erzählt, mit welchen Methoden er den nötigen Kredit besorgt hat. "Nicht dran denken", das klingt nach keiner sehr weisen Losung. Und ist in den unübersichtlichen Lagen des modernen Lebens doch vielleicht die, nach der sich am Besten weiterleben lässt.

Aber das hört sich schon zu sehr nach Erkenntnis oder gar Gesellschaftskritik an. Denn "Nicht daran denken" ist zuallererst eine amüsante kleine Familienkomödie, deren bestechender Charme gerade in ihrer Bescheidenheit liegt. Wie so oft ermöglicht der Verzicht auf die große Botschaft erst die präzise Beschreibung des vollkommen durchschnittlichen Unglücks.

Im Mittelpunkt der Handlung steht Stefano, der älteste der drei Geschwister. Als einziger von ihnen hat er die Kleinstadt verlassen, um als Punkmusiker in Rom sein Glück zu machen. Zur großen Karriere hat es nicht gereicht, und als weitere persönliche Fehlschläge hinzukommen, sucht er für ein paar Tage die alte Heimat auf, um sich im Glanz seines Images als Familienrebell, der es in die große Stadt geschafft hat, zu erholen. Statt Bewunderung muss er erleben, wie sein 7jähriger Neffe ihm gönnerhaft auf die Schulter klopft mit Worten wie: "Du machst das schon!" Da fängt die Krise des 35jähirgen mit den kinnlanger Koteletten, dem Zorro-T-Shirt und den schwarzen Röhrenjeans richtig an. Die Entdeckung, dass auch der Rest der Familie Probleme hat, die vielleicht sogar größer als seine eigenen sind, macht es nicht besser. Dann droht wie gesagt noch das Familienunternehmen Pleite zu gehen.

Mit einer feinen Mischung aus Slapstick, Melancholie und einem wunderbar selbstironischen Hauptdarsteller führt "Nicht dran denken" seinen eigenen Titel ad absurdum: An diese Komödie, ihren schönen Humor und ihren verborgenen Ernst, denkt man noch lange.

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