Schuldendrama

Nur noch 60 Euro am Tag: Den Griechen geht das Geld aus

Banken bleiben bis Montag geschlossen. Kanzlerin Merkel zeigt sich verhandlungsbereit

Europas Spitzenpolitiker halten Griechenland die Tür zu einem neuen Kreditabkommen trotz Auslaufens des Hilfsprogramms an diesem Dienstag weiter offen. Sollte die griechische Regierung nach dem für kommenden Sonntag angesetzten Referendum darum bitten, „werden wir uns solchen Verhandlungen selbstverständlich nicht verschließen“, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Montag. „Wenn jemand mit uns sprechen möchte, sind wir jederzeit bereit zu sprechen.“

Zuvor hatte EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker die Griechen aufgerufen, sich beim anstehenden Referendum für Europa zu entscheiden. „Ich rufe das griechische Volk auf, mit Ja zu stimmen“, sagte er. „Es ist nicht so, dass wir endgültig in einer Sackgasse feststecken würden, aber die Zeit wird immer knapper.“ Das sind versöhnlichere Töne, nachdem am vergangenen Sonnabend die Euro-Finanzminister den griechi-schen Wunsch nach einer Verlängerung des Kreditprogramms abgelehnt hatten. Sie hatten damit auf die überraschende Ankündigung von Ministerpräsident Alexis Tsipras reagiert, die Verhandlungen über Spar- und Reformauflagen zu beenden und ein Referendum einzuberufen. Die Griechen sollen am 5. Juli über die Reformvorschläge der Kreditgeber abstimmen.

Inzwischen hat die Regierung in Athen den Geldverkehr drastisch eingeschränkt. Um einen Zusammenbruch der Banken zu verhindern, ordnete Tsipras die Schließung aller Banken bis Montag kommender Woche an. Die Barabhebungen an Geldautomaten wurden auf 60 Euro pro Tag beschränkt. Touristen mit ausländischen Kreditkarten sollen mehr abheben können. Allerdings sind viele Geldautomaten wegen des Ansturms bereits leer. In einer Fernsehansprache versicherte Tsipras, die Ersparnisse, Löhne und Renten der Griechen seien „absolut garantiert“.

Am Montagabend bestätigte Tsipras, dass Griechenland die am heutigen Dienstag fällige IWF-Kreditrate von knapp 1,6 Milliarden Euro nicht zahlen werde. Die Zahlung werde nicht erfolgen, wenn es nicht über Nacht noch eine Einigung mit den internationalen Gläubigern gebe. Tsipras knüpft seine politische Zukunft an den Ausgang des Referendums. Sollte ein Ja herauskommen, „bin ich nicht für alle Zeiten Ministerpräsident“, sagte er am Abend. Er warf der Euro-Gruppe erneut den Versuch vor, „das griechische Volk zu erpressen“. EU-Kommissionspräsident Juncker wiederum machte Athen für das Ende der Verhandlungen verantwortlich. Er fühle sich „verraten“, sagte er. Das Angebot der Gläubiger sei „fair“ und kein „dummes Sparpaket“ gewesen. Deshalb sollten die Griechen mit „Ja“ zum Reformpaket stimmen. Ein Nein wäre ein „Nein zu Europa“, sagte Juncker. Ähnlich äußerte sich Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD). Bei dem Referendum müsse „glasklar“ sein, worüber entschieden wird: „Es ist im Kern die Frage Ja oder Nein zum Verbleib in der Euro-Zone.“

Die Börsen in Europa brachen nicht so stark ein wie am Wochenende befürchtet. Der deutsche Leitindex Dax schloss am Montagabend um 3,5 Prozent im Minus. Der Euro verlor in der Spitze nur einen Cent gegenüber dem Dollar.