Haushalt

Sanierungsstau an Berlins Hochschulen

50 Millionen Euro für besonders dringende Arbeiten fehlen. FU-Präsident schätzt den Gesamtbedarf auf 1,5 Milliarden Euro

Die Berliner Hochschulen haben dringend notwendige Sanierungsmaßnahmen in Höhe von 82,7 Millionen Euro geltend gemacht. Das geht aus einer Aufstellung der Senatswissenschaftsverwaltung für den Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses hervor. Auf Basis der Liste wurden die Projekte ausgewählt, die im Rahmen des „Investitionspaktes für den Hochschulbau“ vom Senat bewilligt wurden. Diese haben einen Umfang von 32 Millionen Euro und sind Teil des Ende April beschlossenen Nachtragshaushalts. Auf Wunsch des Hauptausschusses wurde jetzt auch die Liste der Anmeldungen veröffentlicht, sie liegt der Berliner Morgenpost vor.

Im Rahmen des Investitionspaktes sollen „nicht weiter aufschiebbare“ Sanierungen an den Hochschulen und der Charité abgearbeitet werden. Die höchsten Prioritäten erhielten dabei die Vorhaben mit der größten Dringlichkeit. Ausgewählt wurden Projekte, mit denen eine drohende Schließung von Gebäuden verhindert werden kann oder geschlossene Flächen wieder nutzbar gemacht werden können, sowie Vorhaben, die der Standortentwicklung oder der Kostenreduzierung dienen. Die Auswahl sei mit den Hochschulen gemeinsam getroffen worden, betonte Wissenschaftsstaatssekretär Steffen Krach.

Einige Beispiele: An der Charité werden für drei Millionen Euro die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie und für 2,5 Millionen Euro historische Hörsäle an der Hessischen Straße saniert. Die FU bekommt 1,15 Millionen Euro für die Fassade der Universitätsbibliothek an der Garystraße. Die TU erhält 2,7 Millionen Euro für den Innenausbau des Gebäudes Ernst-Reuter-Platz 1.

Doch dringende Sanierungsprojekte im Umfang von gut 50 Millionen Euro, die in der Liste der Anmeldungen dokumentiert sind, können in diesem Jahr nicht angegangen werden. Dazu zählt etwa die 2,5 Millionen Euro teure Modernisierung der Telefonanlage am Campus Mitte der Humboldt-Uni. Auf dem Charité-Campus in Mitte können Seminarräume nicht genutzt werden, weil 1,5 Millionen Euro für den Brandschutz fehlen. Die nicht berücksichtigten Bauvorhaben sollen in den nächsten beiden Jahren zum Zuge kommen, so Wissenschaftsstaatssekretär Krach.

Der Sanierungsstau an Berlins Hochschulen insgesamt ist jedoch wesentlich höher. Er wird von der Senatswissenschaftsverwaltung und von Abgeordneten auf eine Milliarde Euro geschätzt. FU-Präsident Peter-André Alt geht sogar von 1,5 Milliarden Euro aus. Genauen Aufschluss soll ein Gutachten liefern, das nach Angaben der Wissenschaftsverwaltung allerdings frühestens zum Jahresende fertig wird. Das Geld aus dem Investitionspakt ist also kein Allheilmittel, wird aber von den Berliner Hochschulen, die allesamt von dem Etat profitieren, begrüßt. Vom kommenden Jahr an soll es laut Wissenschaftsverwaltung sogar ein eigenes Bauprogramm für die Hochschulen geben. „Die Berliner Politik muss dringend ein angemessenes Investitionsprogramm aufstellen, analog der Ausstattung der Programme in anderen Bundesländern“, forderte Alt.