Personalien

Neuer Chef soll Deutsche Bank aus Krise führen

Die Doppelspitze Fitschen und Jain gibt nach drei erfolglosen Jahren auf. Ihr Nachfolger Cryan hat zuvor einen Staatsfonds geleitet

In einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung hat die Deutsche Bank am Sonntag überraschend den Briten John Cryan zu ihrem neuen Co-Vorstandsvorsitzenden ernannt. Die Neubesetzung war notwendig geworden, weil die bisherigen Chefs des größten deutschen Kreditinstituts Jürgen Fitschen und Anshu Jain das Handtuch geworfen haben.

Die Kritik an der Doppelspitze Jain und Fitschen hatte sich in den vergangenen Monaten nach einer Serie von Skandalen zugespitzt. Auf der Hauptversammlung Ende Mai erteilten nur 61 Prozent der versammelten Aktionäre dem Management die Entlastung, ein außergewöhnlich niedriger Wert für ein Finanz-Flaggschiff. „Unsere Zukunft hängt davon ab, wie gut wir unsere Strategie umsetzen, unsere Kunden überzeugen und die Komplexität reduzieren“, sagte Cryan am Sonntag in einer ersten Stellungnahme.

Cryan soll den Vorstandsvorsitz schon am 1. Juli übernehmen. Zeitgleich wird er sein Aufsichtsratsmandat niederlegen. Der 52-jährige Investmentbanker Jain wird zum 30. Juni 2015 zurücktreten, soll dem Geldhaus „auf Bitten des Aufsichtsrats“ aber noch bis Januar 2016 als Berater zur Verfügung stehen. Der 66-jährige Deutschland-Chef Fitschen wird noch bis zur Hauptversammlung im Mai 2016 im Vorstand bleiben. Nach dem Ausscheiden von Fitschen soll Cryan alleiniger Vorstandschef sein.

Mit der Übernahme durch Cryan endet für die Deutsche Bank ein unrühmliches Kapitel. Fitschen und Jain ist es in den drei Jahren ihrer Amtszeit nicht gelungen, den Branchenprimus auf Erfolgskurs zu bringen. Immer neue Rechtsstreitigkeiten mit Rekordstrafen und Probleme in verschiedenen Geschäftsbereichen verdunkeln die Aussichten. Im April wurde die Deutsche Bank für die Manipulation von Zinssätzen zur Zahlung von 2,5 Milliarden Dollar verurteilt. Zuvor waren schon 7,1 Milliarden Euro Strafzahlungen für verschiedene Vergehen aufgelaufen. Weitere Untersuchungen, unter anderem wegen Devisenmanipulation und Sanktionsverstößen, sind anhängig.

„Jetzt besteht endlich die Chance für einen echten Neuanfang bei der Deutschen Bank“, sagte Gerhard Schick, finanzpolitischer Sprecher der Grünen im Bundestag. Die bisherigen Chefs seien zu stark mit den alten Problemen verbunden gewesen, als dass sie glaubwürdig für eine neue Kultur hätten stehen können, so der Grüne.

Die Börsenentwicklung der letzten Jahre spricht Bände: Gehörte die Deutsche Bank in den 90er-Jahren noch zu den größten Geldhäusern der Welt, rangiert sie heute gemessen an der Marktkapitalisierung nur noch im Bereich von Platz 60. Selbst in der Euro-Zone liegt die Deutsche Bank nur an sechster Position.