Pflanzen

Sie blüht und stinkt wieder

In Bayreuth lockt die größte Blume der Welt. Ihr Geruch ist bestialisch

Auf dem Parkplatz riecht man noch nichts. Doch dann, kaum hat man die Tür geöffnet, trifft einen der Gestank mit voller Wucht. So, als sei eine Biotonne mit Fleischabfällen darin in der Sonne geparkt und sehr, sehr lange nicht geleert worden. Doch vor der Quelle des üblen Geruchs haben sich zahlreiche Menschen versammelt. Denn verbunden mit dem Geruch ist sie eine botanische Sensation: Was hier so stinkt, ist die Blüte der Titanwurz.

Sie gilt als größte Blume der Welt. Und nicht nur das. Aus dem Ökologisch-Botanischen Garten der Universität Bayreuth wird ein Weltrekord gemeldet. Erstmals blühte die Titanwurz im August 2014. Der bislang kürzeste Abstand zwischen zwei Blüten lag bisher bei 18 Monaten in Basel. Die Pflanze in Bayreuth hat sich nur etwa zehn Monate Zeit gelassen. „Wir kennen keine Aufzeichnungen darüber, dass eine andere Titanwurz je schneller war“, sagte Marianne Lauerer, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Gartens.

2,03 Meter groß ist die Blüte der Titanwurz in diesem Jahr, im Vorjahr kam die Pflanze auf 2,30 Meter. Die Blüte hat einen Umfang von 1,50 Metern, hält aber nur ein oder zwei Tage. Sie sieht lilafarben aus, in der Mitte ragt der Kolben nach oben – er verströmt den Kadavergeruch. Doch der Gestank hat einen guten Grund: Die Titanwurz lockt damit Insekten für die Bestäubung an. Die von der indonesischen Insel Sumatra stammende Titanwurz (Amorphophallus titanum) kann bis zu drei Meter hoch werden.