Gesundheit

Krankenkassen: Ärzte machen mehr Fehler

Mediziner aus Berlin und Brandenburg fallen besonders oft durch falsche Behandlung auf. Kassen fordern bundesweites Fehlerregister

Im Körper vergessenes Operationsbesteck, falsch operierte Hüften, schiefgelaufene Zahnbehandlungen: Laut einer am Mittwoch in Berlin veröffentlichten Untersuchung des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK) werden Patienten immer häufiger Opfer von ärztlichen Behandlungsfehlern. Von den 14.663 Verdachtsfällen, die Patienten im vergangenen Jahr gemeldet haben, haben die Gutachter des MDK in 3796 Fällen einen Fehler der Mediziner bestätigt. Das entspricht einer Quote von 25,8 Prozent. 2013 lag der Anteil der vom MDK bestätigten ärztlichen Fehler noch bei 25,2 Prozent.

In Berlin und Brandenburg unterlaufen Ärzten offenbar besonders häufig Fehlgriffe. Im vergangenen Jahr wurden in beiden Ländern fast 1800 Verdachtsfälle gemeldet. In fast 40 Prozent der Fälle kamen die Gutachter des MDK zu dem Ergebnis, dass den Medizinern tatsächlich Missgeschicke unterlaufen waren. Gut 30 Prozent der fehlerhaften Behandlungen in Berlin und Brandenburg führten laut MDK zu körperlichen Schäden. Bundesweit betrachtet sind 155 Patienten in Folge ärztlicher Missgriffe sogar gestorben. 1294 Behandelte erlitten einen Dauerschaden.

Ein Drittel der Vorwürfe bezog sich den Angaben zufolge auf Orthopädie und Unfallchirurgie, gefolgt von allgemeiner Chirurgie, Zahn- und innerer Medizin. „Die Zahlen sprechen dafür, dass von einer Entwarnung keine Rede sein kann“, sagte der stellvertretende Geschäftsführer des MDK, Stefan Gronemeyer. Bekannt sei zudem nur die „Spitze eines Eisbergs“. Zählt man die Vorwürfe dazu, die Patienten bei Gutachterstellen der Ärzteschaft geltend machen, kommt man auf rund 6000 bestätigte Fehler im vergangenen Jahr, bestätigte ein Sprecher der Bundesärztekammer. Hinzu kommen Fälle, bei denen sich Patienten nicht an den MDK oder die Kammern, sondern direkt an Gerichte oder Haftpflichtversicherungen wenden.

Zwei Drittel der gutachterlich bestätigten Fehler betrafen Krankenhäuser, ein Drittel bezog sich auf niedergelassene Ärzte. Behandlungsfehler sind laut MDK meist nicht auf individuelle Missgeschicke oder Unfähigkeit zurückzuführen. Sie passierten meist in komplexen Abläufen. Dabei komme es durchaus immer wieder zu drastischen Fällen. So seien in 34 Fällen Tupfer, abgerissene Drainage-Stücke oder Führungsdrähte im Patienten zurückgeblieben. In 67 Fällen kam es zu einem vermeidbaren Druckgeschwür. „Auch bei größter Sorgfalt passieren Fehler“, sagte MDK-Arzt Gronemeyer. Mit einer besseren Sicherheitskultur ließen sich viele ärztliche Fehler aber vermeiden. Um Fehlerquellen beheben zu können, fordern die Krankenkassen ein bundesweites Fehlerregister und verbindlichere Regeln für Sicherheitsstandards in der Behandlung.