Rassismus

Bundespolizist soll Flüchtlinge misshandelt haben

Ein 19-jähriger Marokkaner liegt schmerzverzerrt auf Fliesen.

Seine Hände sind hinter dem Rücken gefesselt, sein Kopf wird gegen die Wand gedrückt. Ein Handy-Foto, wohl aufgenommen Ende September 2014 in einer Zelle der Bundespolizeiwache am Hauptbahnhof in Hannover, könnte ein Beweis für Straftaten sein, die deutschlandweit für Entsetzen sorgen: Ein 39-jähriger Bundespolizist soll einen in Gewahrsam genommenen, wehrlosen Mann misshandelt haben. Das Bild ist Teil eines Beweismittelkonvoluts, welches zwei Zeugen zusammen mit einer Anzeige gegen einen Bundespolizisten bei der Staatsanwaltschaft Hannover vorgelegt haben. Er soll in mindestens zwei Fällen inhaftierte Männer aus Afghanistan und Marokko gequält und gedemütigt haben, wie Oberstaatsanwalt Thomas Klinge am Montag sagte.

Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, dürfte die polizeiliche Laufbahn des 39-Jährigen zu Ende sein. Das Strafgesetzbuch sieht für Körperverletzungen im Amt bis zu fünf Jahre Haft vor. Offen ist bislang, ob sich weitere Polizisten an den Misshandlungen beteiligten.

Die Integrationsbeauftragte Aydan Özoguz (SPD) nannte die Vorwürfe „erschütternd“, Pro Asyl sprach von einem „entsetzlichen Maß an Rassismus und Menschenfeindlichkeit“. Auch die Polizeigewerkschaften forderten eine lückenlose Aufklärung.