Gewerkschaften

Schon wieder Bahnstreik – unbefristet

Ab Mittwoch ist auch der S-Bahnverkehr in Berlin betroffen. Die Bahn-Tochter bietet während des Ausstands einen Notfahrplan an

Nur eine Woche nach Ende des jüngsten Streiks hat die Lokführergewerkschaft GDL ihre Mitglieder bei der Deutschen Bahn (DB) erneut zu Arbeitsniederlegungen aufgerufen. Bereits am Dienstag, 15 Uhr, sollen keine Güterzüge der DB mehr fahren, ab Mittwoch, 2 Uhr, wird dann auch der Personenverkehr bestreikt.

Der Ausstand trifft erneut massiv den S-Bahnverkehr in Berlin. Die deutsche Hauptstadt erwartet am bevorstehenden Pfingstwochenende mehr als zwei Millionen Touristen – so viele wie noch nie. Die S-Bahn veröffentlichte ihrerseits einen Ersatzfahrplan für die Streiktage. Allerdings müsste wie schon zuletzt der Zugverkehr auf der Ringbahn sowie auf der westlichen Stadtbahn komplett eingestellt werden, sage S-Bahnsprecher Ingo Priegnitz der Berliner Morgenpost. Die wichtigen Nord-Süd-Linien S1 (Oranienburg–Wannsee) und S2 (Bernau–Blankenfelde) sollen aber wie zuletzt im 20-Minuten-Takt durchgängig befahren werden. Verbessert werde zudem das Angebot auf den Linien S5 und S7. Die S5 wird demnach bis Friedrichstraße statt nur bis zum Alexanderplatz fahren. Die S7 wird tagsüber bis Charlottenburg verlängert.

Um Streikfolgen zu mindern, will die BVG erneut alle verfügbaren Fahrzeuge sowie mehr Personal einsetzen. Zuletzt hatten die landeseigenen Verkehrsbetriebe mit ihren Bussen und Bahnen in Spitzenzeiten bis zu 60 Prozent mehr Fahrgäste befördert. Insgesamt könnte die BVG massive Ausfälle bei der S-Bahn aber nicht eins zu eins ausgleichen, betonte Sprecherin Petra Reetz. Die S-Bahn bewältigt mit ihren bis zu 1,3 Millionen Fahrgästen am Tag rund ein Drittel des gesamten Nahverkehrs in der Hauptstadt.

Anders als bei den bisherigen acht Streikwellen hat die GDL dieses Mal kein konkretes Ende für den Ausstand angekündigt. Er könnte aber erheblich länger dauern als alle bisherigen, drohte GDL-Chef Claus Weselsky am Montag in Berlin an. Damit gilt als sicher, dass auch zu Pfingsten, wenn Hunderttausende Menschen sich auf den Weg machen, um die Familie oder Freunde zu besuchen, der Zugverkehr bundesweit stark eingeschränkt sein wird.

Zuletzt konnte die Bahn während des Lokführerstreiks etwa ein Drittel ihrer Züge im Fernverkehr einsetzen. Die Bahn kündigte wieder Ersatzfahrpläne an, die im Laufe des heutigen Dienstags veröffentlicht werden. Wie bei den vergangenen Streikphasen wird ebenfalls eine kostenlose Servicenummer geschaltet.

GDL-Chef Weselsky bedauerte „die Unannehmlichkeiten“ für die Bahnreisenden, machte dafür aber die Haltung der Arbeitgeber in den Tarifgesprächen am Wochenende verantwortlich. Die Bahn versuche mit allen Mitteln, die GDL in die Tarifeinheit zu zwingen. „Wir sehen uns gezwungen, in die nächste Eskalationsstufe einzutreten“, sagte Weselsky. Der Druck aus der Mitgliedschaft sei klar und deutlich. Er bestätigte zugleich, dass das Streikgeld, das Gewerkschaftsmitglieder während des Ausstands erhalten, von 75 auf 100 Euro am Tag erhöht werde. Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber kritisierte die jüngste Streikankündigung heftig. Die GDL verhandle nicht rational, sondern „emotional“ und politisch motiviert, sagte Weber. Die erneute Eskalation sei „ohne Sinn und Not“. Um „Objektivität“ in die Verhandlungen zurückzubringen, soll es am Dienstag ein Gespräch mit dem früheren Vorsitzenden Richter am Bundesarbeitsgericht, Klaus Bepler, geben. Weselsky sagte die Teilnahme an dem Gespräch zu.